Die Ratifikation des Atlantikpaktes durch den amerikanischen Senat mit der ansehnlichen Mehrheit von 82 gegen 13 Stimmen zeigt, daß die in gelegentlichen Abständen immer wieder auftauchenden Befürchtungen oder Hoffnungen auf ein Wiedererstarken des amerikanischen Isolationismus gegenstandslos sind. Die kommenden Beratungen über das 1,45 Milliarden-Waffen-Hilfsprogramm werden andererseits bestätigen, wie unterschiedlich die amerikanische und die europäische Öffentlichkeit den Atlantikpakt werten. Nach europäischer Auffassung – Frankreich und die skandinavischen Staaten haben dies besonders stark betont –, gehören Atlantikpakt und Rüstungshilfe zusammen wie siamesische Zwillinge, ist der Atlantikpakt vor allem ein Militärpakt. Die amerikanische Öffentlichkeit erwartet dagegen schon eine hinreichende Sieherung des Friedens von vertraglichen Mitteln, sieht vor allem die kriegsabschreckende Wirkung des Atlantikpaktes, wie die Formel Vandenbergs lautet. Der Atlantikpakt soll einen Friedenskreuzzug, eine Friedensoffensive des Präsidenten einleiten und wurde somit bewußt von der Rüstungshilfe getrennt.

Der interimistische republikanische Senator John Foster Dulles unterstrich, daß der Atlantikpakt die militärischen Lasten vermindern werde, weil das Angriffsrisiko durch den Pakt schon hinreichend reduziert sei, und daß sich die Vereinigten Staaten vorbehalten müßten, zu der militärischen Durchführung des Vertrages noch Stellung zu nehmen. Senator Taft sieht schon eine weitgehende Sicherung des Friedens darin, daß die Sowjetunion weiß, sie würde im Falle eines Angriffs auf Westeuropa auch mit den Vereinigten Staaten im Kriege sein. Die Monroe-Doktrin solle sinngemäß auf Westeuropa ausgedehnt werden. Man befürchtet auch, daß eine Rüstungshilfe nur zu einem Rüstungswettrennen führen könnte, und ferner, daß bei einem innenpolitischen Umschwung, ähnlich wie in China, die gelieferten Waffen in die Hände des Gegners fallen könnten. Besorgt sind die sehr an die Steuerzahler denkenden Senatoren auch darüber, daß die Ausgaben ständig ansteigen. Vorläufig ist die Rüstungshilfe, das "Military Assistance Program" (MAP), noch relativ bescheiden. Für die Unterzeichner des Atlantikpaktes sind 1,13 Milliarden Dollar vorgesehen, ferner 320 Millionen für Griechenland, die Türkei und asiatische Länder. Außerdem werden zunächst nur vorhandene Rohstoffe und Reservewaffen geliefert, die doch abgeschrieben werden müßten. Aber zusätzliche Forderungen, vor allem an Panzern und Flugzeugen, sind schon angekündigt. Leicht könnte diese Hilfe sich ähnlich aus wachsen, wie vor gut einem Jahr die Überbrückungshilfe, aus der der Marshall-Plan wurde. Vor allem aber müssen heute die Senatoren mit jeder Milliarde rechnen. Das am 30. Juni abgelaufene Haushaltsjahr brachte bei Einnahmen von mehr als 40 Milliarden Dollar einen Fehlbetrag von 3 Milliarden. Die rückläufige Konjunktur läßt für das angelaufene Haushaltsjahr einen größeren Fehlbetrag befürchten, während das Etatsiahr 1947/48 noch mit einem Überschuß von 8 Milliarden abschloß. Die Verhandlungen über die Rüstungshilfe werden somit nicht glatt verlaufen, Aber dies rechtfertigt noch nicht den Schluß auf ein Wiedererstarken des Isolationismus, gr.