Der Ernährungsausschuß des Wirtschaftsrates hatte sich, als es darum ging, die Konsequenzen aus der Abrechnung der Lebensmitteleinfuhren zum 30-Cents-Kurs (ab 1. Juli), zu ziehen, für den Vorschlag 3 B der Agrarpolitischen Kommission des Preisrates entschieden: Volk Subventionierung der Importe, soweit sie über dem innerdeutschen Preisgefüge liegen, unter geringfügiger Erhöhung der Düngemittelpreise. Die Erhöhung dieser Preise erschien für die Landwirtschaft akzeptabel, da man aus der Freigabe der Schweinepreise Mehrerlöse von etwa 280 Mill. DM erwartete bei einer Mehrbelastung aus erhöhten Düngemittel preisen in Höhe von ~5 Mill. DM.

Inzwischen hat die Militärregierung die Freigabe der Schweinepreise abgelehnt. Die von der Verwaltung vorgenommene Preiserhöhung verringert den Mehrerlös der Landwirtschaft (rein rechnerisch) um etwa 120 Mill. DM. Ob unter diesen Umständen die Erhöhung der Düngemittelpreise zu einem Rückgang der Eigenerzeugung führen würde, mag offenbleiben. Einer vernünftigen Agrarpolitik auf lange Sicht wird man durch Preisherabsetzungen für Kunstdünger wohl kaum gerecht werden.

Ein weit größerer Unsicherheitsfaktor aber ist die Berechnung des Importpreises für Weisen. Die Agrarpolitische Kommission hatte ihrem Gutachten einen Preis von 300 DM je t cif Hamburg, basiert auf dem internationalen Weizenabkommen, zugrunde gelegt. Eine Entscheidung der Besatzungsmächte über den von Deutschland künftig zu zahlenden Weizenpreis ist noch nicht ergangen. Erstmalig hörte man in Zusammenhang mit einer Meldung aus Baden-Baden, wonach man dort 390 DM berechnen werde, von einem ähnlichen Preis für die Doppelzone. Dabei erfuhr man auch erst, daß dieser Preis uns auch bisher schon berechnet worden ist, worin allerdings auch sämtliche Lagerkosten, die noch in den USA für solchen Importweizen entstehen, enthalten sind. Nach einer neueren Meldung wird sich der Weizenpreis zumindest auf 365 DM je t stellen, was einem Subventionsbedarf von ca. 648 Mill. DM entspricht. Der neue Preis entspricht immer noch dem amerikanischen Stützungspreis – wobei die Frage offen bleibt, ob damit der von uns zu zahlende Preis endgültig festliegt. Sicherlich werden wir auch für die Zukunft die "drüben" entstehenden Lagerkosten zu zahlen haben, womit sich der Preis noch einmal um etwa 25 DM bis 30 DM erhöhen dürfte.

Fraglich ist bis heute auch noch die Höhe der Importe. Hier taucht also ein neuer Unsicherheitsfaktor auf. Wenn sich die letzten Meldungen bewahrheiten, werden wir noch im Laufe dieses Jahres mit einer Importmenge zu rechnen haben, die annähernd so hoch ist wie die Gesamtmenge des vergangenen Jahres. Die amerikanischen Rekordernten drücken erheblich auf den Markt; sie machen sogar jetzt schon die Lagerung des Getreides zum Problem. Zum ersten Male erhalten die Farmer nunmehr auch Darlehen auf Weizen, wenn er frei auf dem Boden oder in schlechten Räumen gelagert wird. Inzwischen sind Untersuchungen über die deutsche Lagerkapazität eingeleitet. Auch das deutet auf eine stärkere Einfuhr hin, wobei allerdings die Frage offen bleibt, ob diese Importmengen für den Verbrauch vorgesehen oder als Reserve gedacht sind – wofür spricht, daß die ERP-Mittel der Doppelzone um 100 Mill. $ gekürzt worden sind, und zwar vornehmlich bei Getreide.

Lediglich die Preisgestaltung für Ölsaaten der Ernte 1949/50 hat jetzt, nachdem die Ernte sozusagen vorüber ist, eine Regelung erfahren, die dem Anbauer wie bisher einen Preis von 900 DM je 1000 kg (letztmalig) garantiert. Allerdings werden zunächst nur 70 v. H. zur Auszahlung kommen, während die restlichen 30 v. H. sozusagen als Anspruch gegen die Bizone auf unbestimmte Zeit bestehenbleiben werden. Auch hier ist es noch nicht gelungen, den notwendigen Subventionsbedarf in Höhe von ca. 40 Mill. DM (bei mittlerer Ernte), um den vollen garantierten Erzeugerpreis zu zahlen, aufzubringen. Inzwischen stapeln sich auf den Lagern der Spediteure für Rechnung des Großhandels bereits enorme Mengen, die vom Handel vorfinanziert worden, sind. Erfahrungsgemäß wird sich die Verwaltung kaum bereit finden, die durch die verspätete Regelung entstandenen Mehrkosten zu übernehmen, obwohl sie hierfür verantwortlich zeichnen müßte.

Es liegt der Gedanke nahe, daß die Arbeiten der Kommissionen und Unterkommissionen in den luftleeren Raum hinein gebaut sind, weil eben nicht rechtzeitig eine Klärung über Mengen und Preise der Importe vorhanden war, und weil man nicht an die Möglichkeit einer Ablehnung der Schweinepreisfreigabe (und deren Folgen) wie auch an die Beibehaltung der Ölsaatenpreise gedacht hatte. Nun ist eine böse Klemme entstanden. A. St.