Von unserem Sonderkorrespondenten Ernst Samhaber

Der deutsch-chilenische Warenaustausch droht sich festzulaufen. Die im Vertrag festgesetzte Summe von 11 Mill. $ erschien den Beteiligten als viel zu niedrig und sollte durch weitere Verhandlungen beträchtlich erhöht werden. Inzwischen stellt es sich jedoch heraus, daß es schwierig sein wird, selbst diesen Betrag zu erreichen.

In Chile wird offen zugegeben, daß die Schuld an diesem wenig erfreulichen Zustande einseitig bei Chile liegt. Das Warenangebot aus Deutschland ist sehr reichhaltig. Es umfaßt viele Güter, die hier dringend gebraucht werden, und die Preise liegen so, daß ein Wettbewerb mit den bisherigen Lieferländern, insbesondere mit den Vereinigten Staaten, durchaus nicht gefürchtet zu werden braucht. Aber von chilenischer Seite können nicht genügend Waren und vor allem nicht zu Weltmarktpreisen angeboten werden. Als der Vertrag zum ersten Male in den Grundzügen aufgestellt worden war, enthielt er als wichtigsten Posten der chilenischen Lieferungen 30 000 t Kupferhalbzeug. Der Wirtschaftsminister strich jedoch diese Bestimmung mit der Begründung, daß Chile sein Kupfer überall gegen gute Dollars verkaufen könnte und nicht darauf angewiesen wäre; es gegen irgendwelche deutsche Waren herzugeben.

Vor dem, zweiten Weltkrieg wurde die chilenische Ausfuhr zu 40 v. H. von Salpeter, zu 40 v. H. von Kupfer und zu 10 v. H. von sonstigen bergbaulichen Erzeugnissen (Eisenerz, Jod und Borax) gestellt. Der deutsch-chilenische Handelsvertrag geht jedoch an diesen Tatsachen vorbei. Er möchte die bergbaulichen Erzeugnisse ganz herausnehmen und Deutschland auf die Einfuhr landwirtschaftlicher Güter begrenzen.

Der Grund für dieses Verhalten liegt an dem in der ganzen Welt fast zur Besessenheit gewordenen Wunsch, unter allen Umständen aus dem Außenhandel freie Dollardevisen herauszupressen, um den Fehlbetrag im Außenhandel mit den USA zu decken. Für Chile soll das Kupfer dafür herhalten, das nur gegen Gold oder Dollar verkauft werden darf.

Solange dieses Metall in der gesamten Welt sehr knapp war und dringend gebraucht wurde, ließ sich eine derartige Politik durchführen. Seit drei Monaten aber ist der Kupferpreis gefallen. Es kann kein Zweifel sein, daß die Zeit des Kupfermangels vorbei ist.

Hingegen zeigt sich in Chile immer deutlicher ein großer und dringender Bedarf an deutschen Industrieartikeln, der nicht befriedigt werden kann. Vergeblich haben die nordamerikanischen Industriefirmen versucht, den südamerikanischen Markt für sich zu erobern, aus dem sie den deutschen Wettbewerber häufig mit den brutalsten Mitteln entfernt haben: zuerst mit Hilfe der Schwarzen Listen, die den Zwangsboykott verhängten, dann durch Deportation der deutschen Kaufleute und schließlich durch Beschlagnahme und Einziehung der deutschen Privatvermögen. Chile wurde einem Monopol des nordamerikanischen Außenhandels ausgeliefert, das sich als sehr drückend und nachteilig erwies. Was die Nordamerikaner in den letzten Jahren geliefert haben, hat nur in wenigen Fällen ihren Ruf verbessert. Unter diesen Umständen war es unsinnig, das Kupfer aus dem Handelsvertrag herauszunehmen. Es zeigte sich, daß die landwirtschaftlichen Erzeugnisse Chiles viel zu teuer sind, um Absatz in Deutschland zu finden.