Die Arbeitsprozesse, die Angestellte und Arbeiter vollführen, werden immerzu mit wissenschaftlichen Untersuchungsmethoden bis in die feinsten Details durchforscht. Aber was tun eigentlich die Chefs? Mit ihrer Tätigkeit haben sich schwedische Gelehrte beschäftigt. Mehrere Jahre lang haben sie die Arbeit der Leiter großer Betriebe unter die Lupe genommen. Ungerührt von den Erklärungen der Sekretärinnen: "Der Chef ist in einer Sitzung" und "Der Chef will nicht gestört sein" und "Der Chef ist zu einer Konferenz gefahren", sind sie den verworrenen Spuren nachgegangen, welche die Betriebsleiter bei einem Tagesablauf hinterlassen. Die Ergebnisse sind frappierend.

Die Mehrzahl der untersuchten Gewaltigen benutzt 75 bis 95 Prozent ihrer Arbeitszeit für Repräsentation, das heißt für mehr oder weniger gesellschaftliche Zwecke, die dem Kontakt mit anderen Chefs und mit Organisationen dienen. Eine zusammenhängende Übersicht über ihre eigentlichen Funktionen können die Chefs nicht geben, weil sie nicht immer eine Motivierung haben für das, was sie tun. Demzufolge ergaben sich sehr beträchtliche Unterschiede in den Auffassungen der Chefs hinsichtlich des Charakters ihrer Arbeit. Die Betriebsleiter meinten nicht, daß sie für Konferenzen und Inspektionen wirklich soviel Zeit verbrauchten, wie die Wissenschaftler ermittelt hatten. Die Untersuchungen haben ergeben – so heißt es in dem Bericht, den Professor Dr. Sune Carlson, Stockholm, in einem Vortrag erläuterte –, daß im einzelnen zwar die Verantwortung und die Arbeitsgebiete der Chefs placiert werden können. Was sie aber eigentlich tun – darüber konnte Klarheit nicht erzielt werden. Es habe sich herausgestellt, daß ein Chef nicht, wie man gemeinhin annimmt, die Spitze einer Pyramide darstellt, die dirigiert, sondern eher den Mittelpunkt eines Netzes, der von anderen dirigiert wird. Seine erste und größte Sorge ist immer die Beschaffung von Informationen.

Professor Carlson, der in das Allerheiligste von Großbetrieben, in die Chefzirraner, eingedrungen ist und dort Untersuchungen und Messungen durchgeführt hat – zum Beispiel Messungen der Stühle, die der Chef benutzt, und derjenigen, die er seinen Besuchern anbietet –, erklärt, daß man in einer ganzen Reihe von Fällen unnötige Verschwendung der Zeit des Chefs konstatiert habe. Ein wunder Punkt seien vor allem die vielen Konferenzen, die nichts anderes als mangelhafte Arbeitsmethoden der Chefs darstellten. Die Auffindung solcher Betriebsfehler sei der Sinn der geführten Untersuchungen gewesen.

Den schwedischen Chefs werden jetzt Vorschläge unterbreitet werden, wie sie ihre Arbeitszeit vernünftig ausnutzen können... R. R.