gibt einen Kritizismus des geistigen Unorientiertseins, der beklagenswert ist, weil er den Menschen um den Genuß seiner inneren Souveränität bringt. Aber er ist nicht nur befordernd in den Weg tritt und sie abdrosselt. In Wirklichkeit konnte und kann kein einziger Künscler, so weit er die Abstraktion auch vortrieb, gänzlich auf die Anlehnung an das Gegenständliche der organischen und anorganischen Natur verzichten. Seine fernste Abstraktion, seine ideenhafteste Kristallisation bedient sich irgendeiner gegenstandsfesten Form, als Ausgang, wie es noch die Geometrisierungea der Baumeister Ackermann oder Meistermann beweisen und wie sie überragend und kostbar schön in dem Skizzenbuch Marcs eingefangen sind.

Der Hauptwiderstand des Publikums scheint jedoch nicht einer geistigen, sondern einer seelischinstinktiven Abwehrsphäre zu entstammen Jedes menschliche Wesen, auch dasjenige, das dem Entwicklungsprozeß der Seele, :_wie er sich in der Kunst niederschlägt, fremd oder entwöhnt gegenübersteht, hat ja immanenten Anteil am Absoluten der Weltsubstanz. Dieses Absolute muß es sich sichern, muß es halten. Indem nun aber die moderne Kunst den scheinbar ausschließlichen Weg vom Abbild zum Sinnbild zu gehen sucht, hat sie denjenigen Teil der Weltsubstanz, der im Dinglichen an sich verhaftet ist und den die bratere Masse als sinnbildlichen Ausdruck ihrer Wesensart verteidigen muß, über Gebühr angegriffen. Diese Tatsache erklärt das Ressentiment des Publikums. Kein Zweifel auch, daß wir darin etvas "Rechtmäßiges erkennen müssen. Und sieht man schärfer in die moderne Produktion hinein, so ergeben sich von daher nicht unerhebliche Aufschlüsse. Es muß auffallen, daß der Weg in die Abstraktion bis jetzt noch niemals konsequent gegangen wurde, sondern daß dem Zug ins SinnbiHhafte ein Gegen- oder Rückwärtszug ins Abbildhafte beigekoppelt ist. Das ist bei Picasso so, bei Braques so, bei Gilles so. Kleinere Geister sind auf ihrem Weg konsequenter gewesen, aber dai> gerade die wirklich Großen dem Drang zum Gegenstand folgen zu müssen scheinen, ist doch auffallend, "Atavismen"? Spontane und nicht genügend überwachte Rückfälle? Oder stehen geistige und seelisch dichte Gründe dahinter? Wm; nicht alles trügt, so ist das letztere der Fall. Und damit wäre der metaphysische Beweis erbracht, daß der moderne Künstler bei seinem . Gaag in die Abstraktion den Nährboden des Gegenständlichen nicht entbehren kann. Man sollte dieser Tatsache mit ganzer Freiheit des Urteils und der Empfindung gegenübertreten und das Tuchfühlungnehmen mit dem Gegenständlichen als etwas Kräftiges und zwingend Hohes ästimieren. Denn schließlich und endlich ist das Problem, um das die moderne Kunst ringt, nichts anderes als dies: eine erweiterte Weltgenauigkeit erreichen, die Kräfte geschöpflicher Tiefenschiebten neu entbinden, errungene Positionen der naturwissenschaftlichen Weltvorstellung einbeziefeen und, alles umfassend, die religiösen Elemente unserer Existenz grundlegend wiedergewinnen.

Lernt der moderne Künstler, um dieses Wesentlichen willen, die Stufenleiter vom Gegenständlichen zum Ungegenständlichen immer konsequenter abzuschreiten, und folgt ihm das Publikum in innerer Selbstaufschließung und Selbstkorrektur auf diesem Weg, so kann ein echter geistiger Burgfrieden zwischen beiden nicht ausbleiben. Bs wäre dann auchr für beide Teile, erheblich mehr geleistet als nur ein geistiges Heimischwerden im Raum der modernen Kunst: es endete damit wie von selber jene bitterliche metaphysische Not und Zerrissenheit, an der wir insgesamt schon allzu lange leiden.