Geplagt von Langerweile und alle meine Peter Cheneys und andere Kriminalschmöker gelesen habend (schönes Deutsch, nicht wahr?), habe ich mir als Lektüre, der Abwechslung halber, einmal ein Kochbuch vorgenommen. Der Verfasser? "Nicht gedacht soll seiner werden..." (H. Heine), so schlimm war das.

Was einem da so alles anempfohlen wird! Zum Beispiel: "Man schwitze Mehl aus..."

Haben Sie schon einmal versucht, Mehl auszuschwitzen? Ich habe es versucht, und ich kann Ihnen sagen...: Ich habe vier Eßlöffel Mehl gegessen, das war eine schreckliche Arbeit, denn es war furchtbar trocken und kitzelte im Hals. Aber ich habe es herunterbekommen. Dann habe ich mich in die pralle Sonne gesetzt und versucht, es wieder auszuschwitzen. Es kam aber nicht. Nachdem ich so rot war wie ein gargekochter Hummer, zog ich mich wieder in den Schatten zurück und trank erstmal eins – es können aber auch mehrere gewesen sein. Dann las ich weiter:

"Die Soße muß gut gebunden sein." Ich habe es versucht: mit Garn, mit Nähseide, mit Draht, mit Stricken: die Soße ist immer wieder herausgerutscht. Und meine Frau drohte, als sie ihren Nähkasten sah, zu ihrer Mutter zurückzukehren. Da gab ich es auf, verließ die Soßen und wandte mich den Suppen zu.

"Man koche eine kurze Fleischbrühe." Haben Sie schon einmal lange Fleischbrühen gesehen? Das heißt: wenn man nicht sehr hungrig ist, kann man Fleischbrühen ziemlich lange sehen, ohne sich darauf zu stürzen. Aber kurz und gut, ich versuchte, die Fleischbrühe zu messen. Nun hängt das Ergebnis dieser geometrischen Tätigkeit aber ganz davon ab, ob man sie in einen großen oder kleinen Topf schüttet. Wenn man die Suppe auf den Fußboden gießt, um die Länge zu messen, hängt alles vom Neigungswinkel ab, nämlich ob sie weit fließt oder eine Pfütze bildet. Einen wahren Physikkursus habe ich da absolviert, aber die Länge beziehungsweise Kürze der Fleischbrühe ist mir immer noch unbekannt.

"Man dünste Zwiebeln aus..." Nein, das versuche ich gar nicht mehr. Nachdem es mir nicht gelungen ist, Mehl auszuschwitzen, wie soll es mir da gelingen, Zwiebeln auszudünsten. Und wie das riechen würde...

"Man gebe den Fisch in kochendes Wasser, drehe das Gas ab und lasse ihn etwa zwanzig Minuten ziehen." Muß i denn, muß i denn zum Städtele hinaus. Aber der Fisch zog nicht und sah mich mit seinen toten Glubschaugen vorwurfsvoll an, und das war nicht sehr schön. Ziehen wollte er nicht, unter gar keinen Umständen. Ich redete ihm gut zu, ich schimpfte, ich drohte ihm mit Prügeln – es war ihm völlig gleichgültig. Aha, dachte ich mir, es handelt sich nicht um ein solches Ziehen, sondern um anderes. Ich öffnete alle Fenster und Türen der Wohnung, es zog schrecklich, vier Scheiben zerbrachen, ein Bild fiel von der Wand, die Lampe im Speisezimmer geriet in heftige Schwingungen, und die chinesische Vase – reden wir lieber nicht davon. Ich bekam eine Lungenentzündung mit Komplikationen, aber der Fisch blieb unbeweglich.

Da streckte ich die Waffen. Sonderbar, daß man in einem einzigen Lande soviel Sprachen spricht: Kochdeutsch, Bridgedeutsch, Jägerdeutsch und so weiter. Und das im Zeichen der Völkerverständigung.