DIE ZEIT

Das überlebte Recht auf den Streik

Ein totalitäres Regime pflegt sehr genau zu wissen, was es will. Von den Demokratien kann man leider nicht dasselbe sagen. Ängstlich klammern sie sich an das Bestehende, an die eigene Tradition.

Deutschland immer noch Objekt

In den Diskussionen, die über die zukünftige Teilnahme Deutschlands am internationalen Leben geführt werden, scheint man es als selbstverständlich vorauszusetzen, daß wir jedwedes Angebot als Ehre empfinden, jeder Aufforderung dankbar und ergeben Folge leisten werden.

Atombomben gesucht

Die bereits sagenumwobene Geheimkonferenz Präsident Trumans mit führenden Politikern, Militärs und Atomspezialisten auf seiner Privatresidenz Blair House hat jetzt ihre Aufklärung gefunden.

Sowjetische Barbarei

Die Welt ist um eine Demonstration gegen die sowjetrussische Barbarei reicher geworden. In Genf hat der Führer der britischen Delegation, die an der Tagung des Wirtschafts- und Sozialrats der UNO teilnimmt, erklärt, Großbritannien werde die UNO auffordern, eine Kommission zur Untersuchung der Zwangsarbeitslager in der Sowjetunion zu entsenden.

DIE WOCHE

Präsident Truman forderte den amerikanischen Kongreß in einer dringenden Sonderbotschaft auf, ein 1,45-Milliarden-Dollar-Waffenhlifeprogramm zu verabschieden für alle von einer kommunistischen Aggression bedrohten Lander, vor allem Europa.

Wiedervereinigung Berlins?

Zwei- oder dreimal haben sich in Berlin nach dem Vakuum des "Kalten Krieges" die vier Berliner Stadtkommandanten wieder getroffen.

Stalins Kronprinz

Wenn Stalin einmal sterben sollte... Ebensooft wie diese Annahme debattiert worden ist, ebensooft blieb die Erkenntnis, daß es bei allen Kombinationen über die Nachfolge des Generalissimus nur einen feststehenden Faktor gibt: Wer die Macht hat, der wird herrschen.

Moskaus südöstliches Sprungbrett

Unbestätigte Nachrichten der Weltpresse über eine Zusammenziehung sowjetrussischer, rumänischer und bulgarischer Truppen in Bessarabien, über die Konzentrierung ungarischer Kräfte an der jugoslawischen Grenze, über einen bevorstehenden Aufstand mazedonischer Revolutionäre gegen Tito über Verhandlungen zwischen Belgrad und dem Vatikan zeigen, wie sehr der Balkan wieder ins Zentrum des Interesses rückt.

Atlantikpakt und Rüstungshilfe

Die Ratifikation des Atlantikpaktes durch den amerikanischen Senat mit der ansehnlichen Mehrheit von 82 gegen 13 Stimmen zeigt, daß die in gelegentlichen Abständen immer wieder auftauchenden Befürchtungen oder Hoffnungen auf ein Wiedererstarken des amerikanischen Isolationismus gegenstandslos sind.

Zum Tode Paul Madsacks

Vor kurzem ist in Pyrmont Paul Madsack gestorben, dem es zusteht, daß er nicht klanglos ins ewige Leben eingehe. Er war von Haus aus Jurist, Sohn eines großen Zeitungsunternehmens, der dann Maler und schließlich Dichter wurde; aber er war stets alles als Privatmann.

Wandervogel der Politik

Es sei ein schweres Problem, sich darüber klarzuwerden, welches Strafmaß für diesen Abenteurer, der in die Politik geraten sei, verlangt werden müsse, erklärte der französische Staatsanwalt in seinem Schlußwort über den angeklagten früheren Botschafter Otto Abetz, Statt Abenteurer sollte man "Wandervogel" sagen.

Der Steg-Panzer

Wer einen grünlichen Regenmantel trägt mit einknöpfbarem Futter, der weiß Bescheid: Steg-Ware. – Steg-Waren sind Sachen, die, ursprünglich für die Ausrüstung amerikanischer Truppen bestimmt, auf Grund zweier Verträge über die Übernahme amerikanischer Heeresgüter für Deutsche zur Verfügung gestellt wurden.

Norbert Jacques: Notizen

Frankreich und England behandeln gegenwärtig die Einbeziehung Deutschlands in das "Internationale Patentamt". Dieses Amt, dem außer Frankreich nur die Benelux-Staaten (Holland, Belgien und Luxemburg) angeschlossen sind, wurde 1945 auf französische Initiative hin in Den Haag gegründet.

Englands Sorgen im Vorderen Orient

Ist Großbritanniens Stellung im Nahen Osten wirklich gefährdet? Auf den ersten Blick könnte es so scheinen, als ob diese vor allem in amerikanischen und arabischen Zeitungen viel diskutierte Behauptung zutreffe.

Sind so die Russen?

Beim Aufgehen des Vorhangs hört man: "137 Prozent!" Mit dem Rücken zum Publikum, die Augen auf eine Planskala gerichtet, sagt es Potapow, der Direktor einer Fabrik für Landmaschinen in Moskau.

Die Fußballwette

Der Autor dieser englischen Komödie ist besonders aktuell: Er macht ein Glücksspiel von internationaler Verbreitung, den Fußball-Toto, zum Motor der Handlung.

Entrüstung in Köln

ESartres "Huis clos" im Studio 4S gibt noch ausverkaufte Theater. Sogar für — die neue Spielzeit im September sind die Plätze der beiden ersten Aufführungen schon vergriffen.

Neuer Herr im Pentagon

Seit der ehemalige Verteidigungsminister James Forrestal aus dem 17. Stock eines Marinehospitals in den Tod sprang, ist es auch den Nicht-Militärs in Washington klar, daß die erstrebte Vereinheitlichung der drei amerikanischen Wehrmachtsteile kein Kinderspiel ist.

Lob der Kritik

Solange es schon ein öffentliches Kunstleben und eine Publizistik gibt, so lange gibt es auch die öffentliche Kunstkritik. Und ebensolange schon schwankt die Bewertung dieser Kritik von Seiten der Künstler wie des Publikums zwischen Lobpreisung und Verdammung.

Utopisches Reich der "Zitadelle"

Antoine de Saint-Exupery – Saint-Ex, wie ihn seine Freunde nannten – wurde 1900 in Lyon geboren. Seine Mutter stammte aus einer alten provençalischen Adelsfamilie.

Die moderne Kunst und das Publikum

gibt einen Kritizismus des geistigen Unorientiertseins, der beklagenswert ist, weil er den Menschen um den Genuß seiner inneren Souveränität bringt. Aber er ist nicht nur befordernd in den Weg tritt und sie abdrosselt.

Ein Stigmatisierter unter uns

Der Leiter der "Freien Forschungsgesellschaft für Psychologie und Grenzgebiete des Wissens", Professor Georg Anschütz, der den vorliegenden Fall auch ärztlich behandelt, berichtet hier über die Ergebnisse seiner Beobachtungen.

Ich käme gern nach Deutschland

Der englische Schatzkanzler erklärte kürzlich im Parlament, daß eine der wichtigsten Dollareinnahmequellen Englands der sommerliche Fremdenverkehr wäre.

Ikarische Philosophie

Zu Beginn des zweiten Weltkrieges wurde Antoine de Saint-Exupery als Offizier in die französische Armee eingezogen; er diente als Aufklärungsflieger.

Die Landschaft als Naturerlebnis

In der Einleitung zu seinem Buche über die deutsche Kunst der Dürerzeit sagt Wilhelm Binder: "Ob wir (in bezug auf die jeweilige Zeit) Dürer oder Goethe nennen: wir meinen jedesmal nicht nur die Zeit eines Genies, sondern eine Geniezeit!" Dieses Wort erinnert uns daran, daß der Genius als zeitgeschichtliches Phänomen durchaus kein Einsamer ist, daß vielmehr die Großen ihrer Zeit vielfach vor dem sehr lebendigen Hintergrund einer Zeit der Großen stehen.

Lohn-Preis-Manipulation

Bei steigenden Wirtschaftszahlen läßt sich leicht "manipulieren". Hundert Schilling Lohn erscheinen zunächst mehr als neunzig; erst später entdeckt der Empfänger gegebenenfalls, daß er für die hundert Schilling weniger kaufen kann als vorher für neunzig.

Chiles Kupferrechnung

Der deutsch-chilenische Warenaustausch droht sich festzulaufen. Die im Vertrag festgesetzte Summe von 11 Mill. $ erschien den Beteiligten als viel zu niedrig und sollte durch weitere Verhandlungen beträchtlich erhöht werden.

Handelsverträge

Ohne ein ausgebautes Netz von Handels- und Zahlungsabkommen ist der Außenhandel weder erfolgbringend noch rationell. Vor dem Kriege hatte Deutschland 55 Handelsverträge.

Bereinigung der Auslandsverschuldung

Wir haben an dieser Stelle in den letzten Wochen mehrfach die Frage des (beschlagnahmten) deutschen Auslandsvermögens behandelt.

USA zu optimistisch?

Wie sieht die "Krise" in den USA eigentlich aus? Mit der Ziffer von fast vier Millionen Arbeitslosen Ende Juni ist doch herzlich wenig anzufangen.

Metz oder Straßburg

Metz und Straßburg streiten sich noch immer, ob die Mosel kanalisiert oder ein Schiffahrtsweg von Diedenhofen nach Straßburg gebaut werden soll.

Steigende Lebensmittelproduktion

Im Wirtschaftsjahr 1948/49 wurden in der Weit mehr Nahrungsmittel produziert und verbraucht als im Jahr zuvor, meldet der letzte Bericht der FAO.

Auf unsicherer Grundlage

Der Ernährungsausschuß des Wirtschaftsrates hatte sich, als es darum ging, die Konsequenzen aus der Abrechnung der Lebensmitteleinfuhren zum 30-Cents-Kurs (ab 1.

Interessen-Politik?

Wenn schon ein Interessent, der Generaldirektor eines Versicherungsunternehmens nämlich, in parlamentarischen Kreisen verlauten läßt, "daß die Versicherungsaufsicht Formen angenommen habe, die allgemein verurteilt werden müssen, und die Folgen nicht auszudenken seien, wenn die Dinge an die Öffentlichkeit kämen" – welchen Eindruck muß dann der Versicherungsnehmer gewinnen, wenn die Dinge an die Öffentlichkeit kommen? Wir fürchten, das Vertrauen in die staatliche Aufsicht wird nicht gerade wachsen.

Importpraxis...

Nun ist also das mehr hindernde als fördernde JEIA – Importsystem abgelöst durch das "open individual licence system".......

VfW-Spätzündung

Um das mit sehr viel Schwung gestartete "Jedermann-Programm" ist es seit langem still geworden. Heute muß man sich eingestehen, daß die Aktion fehlgeschlagen ist, obwohl sie von den besten Absichten geleitet war.

Gefragte Westmark

Auf dem Schwarzen Markt des Interzonenhandels werden in Berlin und in den Großstädten Westdeutschlands laufend große Posten Industriegüter und Lebensmittel aus den Sowjet-Aktiengesellschaften oder den Volkseigenen Betrieben zum Verkauf angeboten.

Essen unter "Dach und Fach"

Der in Essen eröffneten Landesausstellung "Dach und Fach" kommt aus zwei Gründen Bedeutung zu: Einmal ist sie der erste größere Versuch dieser so schwer angeschlagenen und durch den Verlust ihres ausschlaggebenden Industriewerks hart getroffenen Stadt, an ihre frühere Tradition als Stadt der Fachausstellungen anzuknüpfen und aus dem Trümmerdasein sich herauszuarbeiten.

Nürnberger Bericht

Der Kieler Oberbürgermeister sprach davon, man solle jetzt "Feuer unter den Sesseln der Verantwortlichen machen, als auf der Nürnberger Hauptausschußsitzung des Deutschen Städtetages über den Wohnungsbau gesprochen wurde.

Die Heringssaison

Aus den deutschen Fischereihäfen Bremerhaven, Cuxhaven, Hamburg-Altona und Kiel laufen in diesen Tagen alle verfügbaren deutschen Fischdampfer – unterstützt von der Flotte der 90 Heringslogger – zur diesjährigen Heringssaison aus.

700 000 Rundfunkgeräte

Von der Arbeitsgemeinschaft der deutschen Rundfunkwirtschaft wird als das Ergebnis einer interessanten Untersuchung festgestellt, daß im ersten Halbjahr 1949 in Westdeutschland rund 400 000 Rundfunkapparate umgesetzt wurden.

Die öffentliche Meinung

Doch bin ich plötzlich wieder da, Wenn ich was Tadelnswertes sehe, / Wie ein Deus ex machina." So spricht "Die öffentliche Meinung", die in Jacques Offenbachs Oper "Orpheus in der Unterwelt" als Person auftritt.

Der Nachrichtendienst meldet

Woher weiß die Zeitung, daß... Sie bringt Nachrichten aus London und Kottbus, aus Sidney und Buxtehude, aus Pinneberg und Frankfurt, aus München und Moskau.

Feuilletons, Feuilletons!

Vor fünfundzwanzig Jahren saß ich als Redakteur in einer Tageszeitung, in der ich auch das Feuilleton mitzubesorgen hatte. Da empfing ich zum erstenmal jenen elektrischen Schlag, dem das kurze, beseligende Gefühl folgt, das allein dem Feuilletonredakteur das Leben lebenswert macht: Ich fand im Schutt der Manuskriptberge das erste echte Feuilleton.

Der bunte Kiosk

Wenn man vor einem Kiosk steht und den Leuten zuhört, kann man bisweilen hören: "Dieses Überangebot von Zeitschriften – das gab es kaum in Friedenszeiten!" – Nun, das ist richtig.

Von der Markenanzeige umworben

Unlängst hatte ich Gelegenheit, in eine Anzahl gewichtiger Alben hineinzuschauen, in denen eine deutsche Markenartikelfirma alle im Laufe eines halben Jahrhunderts für ihre Erzeugnisse erschienenen Anzeigen sowie eine Fülle grundlegender Besprechungsnotizen pietätvoll gesammelt hatte.

Die Zeitung als Wirtschaftsfaktor

Die Zeitung, dieser ständige Lebensbegleiter des modernen Menschen, ist das Produkt eines höchst verwickelten geistig-technischen Prozesses und mit der Sozial- und Wirtschaftsstruktur des Volkes untrennbar verknüpft.

Nun grinsen sie wieder!

Nun grinsen sie wieder. Von allen Zeitungskiosken und auch aus den Fenstern der kleinen, nach Bleistiftabfall und Schulheften riechenden Papiergeschäfte.

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