Metz und Straßburg streiten sich noch immer, ob die Mosel kanalisiert oder ein Schiffahrtsweg von Diedenhofen nach Straßburg gebaut werden soll. Unkosten, Bauzeit und späterer Transportanfall sprechen eindeutig für das Moselprojekt. Nach den Berechnungen der Handelskammer Metz wird die Moselkanalisierung von Diedenhofen (Thionville) bis Koblenz etwa 12 Mrd. ffrs kosten, der Kanal von Diedenhofen nach Straßburg dagegen 100 Mrd. ffrs. Zudem wären die Baukosten des Elsaß-Kanals von Frankreich allein aufzubringen, an der Mosel-Kanalisierung hätte es jedoch nur den Anliegeranteil in Höhe von etwa 2,5 Mrd. zu tragen.

Straßburg befürchtet nun von dem Moselprojekt einen Rückschlag für seinen Hafen. Man weist darauf hin, daß die Moselstaustufen mehr in deutschem als französischem Interesse lägen. Bei dieser Betrachtung erhalten aber die Argumente ein falsches Gewicht. Neben Deutschland, dessen Interesse gar nicht geleugnet werden soll, sind Frankreichs Provinz Lothringen, das Saargebiet und Luxemburg für die Schiffbarmachung des Flusses. Es sei ein "typisches ERP-Projekt", meinten kürzlich die Vertreter der Handelskammern Saarbrücken, Luxemburg, Metz, Trier und Koblenz auf einer gemeinsamen Sitzung.

Mit der Mosel-Kanalisierung (für 1000-t-Schiffe) wird der Weg Ruhrgebiet–Lothringen, der Austausch Kohle–Erz, wesentlich vereinfacht und verbilligt sein. So veranschlagen Metzer Wirtschaftskreise die jährliche Verbilligung allein der Kokstransporte von der Ruhr nach Lothringen auf rund 2 Mrd. ffrs, weil die Strecke Duisburg–Metz via Mosel nur etwa 460 km betragen wird, während unter Benutzung des Straßburger Umweges ungefähr 725 km gefahren werden müßten. Zudem wird die Rentabilität des Moselweges durch die Stromerzeugung an den Staustufen – die Schätzungen liegen bei 500 bis 700 Mill. kWh jährlich – gewährleistet sein. Der Anfang ist bereits durch den vor längerer Zeit begonnenen Bau der Staustufe Kraftwerk Koblenz mit 60 Mill. kWh gemacht.

Hier sollte doch die wirtschaftliche Lösung vor der nationalistischen den Vorrang erhalten. Die Moselkanalisierung ist allein schon aus diesem Grunde ein europäisches Projekt J. Sch.