Seit der ehemalige Verteidigungsminister James Forrestal aus dem 17. Stock eines Marinehospitals in den Tod sprang, ist es auch den Nicht-Militärs in Washington klar, daß die erstrebte Vereinheitlichung der drei amerikanischen Wehrmachtsteile kein Kinderspiel ist. "Dieser fähige und ergebene Diener seines Volkes ist ebenso gestorben, wie ein Soldat an der Front", erklärte Präsident Truman damals. Expräsident Hoover aber kommentierte den Tod Forrestais vor einem Ausschuß des Kongresses nüchtern: "Er ist das Opfer des unzulänglichen Sicherheitsgesetzes vom Jahre 1947 geworden." Dieses Gesetz gilt noch heute. Eine Vorlage, die es erweitern sollte, indem sie dem Verteidigungsminister neue Vollmachten gibt, wurde zwar vom Senat angenommen, liegt jedoch noch immer beim Repräsentantenhaus, ohne daß ein Termin für die Verabschiedung abzusehen wäre. Daher hat Präsident Truman jetzt, in der vorigen Woche, dem Kongreß einen "Reorganisationsplan Nr. 8 vom Jahre 1949" zugeführt, der noch einmal alle für notwendig gehaltenen Änderungen und Ergänzungen des Sicherheitsgesetzes 1947 enthält, jedoch formell als "Reorganisationsakte" gilt, die als solche innerhalb von 60 Tagen durch Repräsentantenhaus oder Senat abgelehnt werden muß, wenn sie nicht automatisch in Kraft treten soll. Der neue Reorganisationsplan läßt klar die Handschrift des

Verteidigungsministers Louis A. Johnson erkennen, der damit die Vereinheitlichung der amerikanischen Wehrmacht "binnen kürzester denkt. durchzuführen gedenkt. Er ist ein Mann von schnellen Entschlüssen und kein Freund von Kompromissen, Schon wenige Tage nach seinem Amtsantritt Ende März hatte er neun Ämter und Dienststellen als überflüssig abgeschafft, denen im Laufe der Wochen weitere 20 folgten. Er untersagte die Auseinandersetzungen der drei Wehrmachtsteile in der Öffentlichkeit, verbot einen besonderen "Tag des Heeres", der "Marine" und der "Luftwaffe", schuf dafür einen "Tag der Wehrmacht" und vertrat nachdrücklichst die Gleichberechtigung der Neger in der amerikanischen Streitmacht. Das alles aber waren nur unbedeutende Maßnahmen, die das Kernproblem der Vereinheitlichung nicht berührten. Die zweite Runde war härter, doch auch aus ihr ging er als Sieger hervor. Nach Differenzen mit dem Heeresminister Kenneth C. Royall trat jener zurück und wurde durch Gordon Gray ersetzt. Am 27. April verließ Royall das Pentagon. Kurz vorher erlebte er aber noch, daß Johnson den Befehl gab, den Bau des 65 000-t-Überflugzeugträgers "United States", der erst zwei Wochen zuvor in Newport News auf Stapel gelegt worden war, einzustellen. Die unausbleibliche Folge war, daß auch der Marineminister J. L. Sullivan zurücktrat und von Präsident Truman durch Francis P. Matthews ersetzt wurde. Damit hatte sich die Auffassung der Luftwaffe über die strategische Kriegführung durchgesetzt, Zugleich begann jedoch der Kampf aller jener Kräfte gegen Johnson, die aus wirtschaftlichen, politischen oder militärischen Erwägungen eher der Marine und dem Heer zugeneigt sind. Dieser Krieg hinter den Kulissen des Pentagon dauert heute noch an und verschärft sich von Woche zu Woche,

Ein Untersuchungsausschuß des Repräsentantenhauses befaßt sich mit der Angelegenheit, die durch die Einstellung des Baues der "United States" ausgelöst wurde. Ein Abgeordneter des Kongresses stellte den Antrag auf eine weitere Untersuchung der Hintergründe für die Stornierung von Aufträgen über verschiedene Flugzeugtypen in Höhe von 500 Millionen Dollar zugunsten neuer großer Aufträge von B-36-Langstreckenbombern der Consolidated Vultee Aircraft Corporation; eben jener Firma, in der Johnson lange Zeit Direktor war. Dieser Antrag führte zu einer scharfen Reaktion des einzig "überlebenden" Wehrmachtministers der Aera Forrestal, des Ministers für die Luftwaffe, Symington, der kategorisch dementierte, daß Johnson irgend etwas mit dem Auftrag zu tun habe. Der Verteidigungsminister selbst nahm zu diesen persönlichen Angriffen ebensowenig Stellung wie zu jenen Gerüchten, daß seine Unterstützung Präsident Trumans im Wahlkampf – man spricht von 250 000 Dollar – mit seiner Ernennung zum Minister in Beziehung stehe.

Es gibt heute keinen Minister in Washington, über den soviel gesprochen wird, wie über Johnson, Er verfügt über eine weit rücksichtslosere Dynamik alsForrestal, und während die einen in ihm bereits den künftigen demokratischen Kandidaten für die Präsidentschaft 1952 sehen, sprechen die anderen von dem "Elefanten, der seinen eigenen Porzellanladen mit sich führt". Aber über eines sind sich alle klar. Wenn ein Mann die Vereinheitlichung der amerikanischen Wehrmacht durchführen kann, dann ist er es. Ernst Krüger