Der Kieler Oberbürgermeister sprach davon, man solle jetzt "Feuer unter den Sesseln der Verantwortlichen machen, als auf der Nürnberger Hauptausschußsitzung des Deutschen Städtetages über den Wohnungsbau gesprochen wurde. Fünf Millionen Wohnungen fehlen. Das bedeutet im Friedensmaßstab zwei Jahrzehnte Bauzeit. Wer wüßte nicht besser als Flüchtling oder Ausgebombter, daß da "ein Löffel voll Tat mehr wert sei, als ein Scheffel voll Rat"?

Dem Wohnungsbau fehlen die Kapitalien, seien es nun Mittel des Kapitalmarktes oder öffentliche Gelder. Und gäbe es diese, so würden die Baustoffe nicht reichen, weil Kohlenmangel die Ziegeleien und Zementwerke bremst. Nur ein Abnehmerkartell könnte die Preise senken, die 50 DM je cbm umbauten Raumes betragen, gegen 17 Mark 1938. Wer soll das bezahlen? Die Länder sprechen von einer Bau-Notabgabe oder von der Wohnraumsteuer; am besten erschein ihnen die Hergabe von einem Viertel der Besatzungskosten. Die feiernden Bauarbeiter, 31 v. H. aller Arbeitslosen, müssen freilich noch wartei. Nur an einzelnen Stellen geht es, auch mit modernen kosten- und materialsparenden Bauweisen, voran. Nürnberg, die Tagungsstadt, hat sich z. B. ein Aufbaukuratorium geschaffen, dessen Ausschüsse fleißige Arbeit leisten. Zu den 800 000 DM Staatszuschuß haben im vergangenen Winter die örtlichen Banken und Versicherungen an Krediten über das Doppelte aufgebracht, um vor dem Frost wenigstens die begonnenen Instancsetzungen fertigzustellen. Das waren beinahe 2 Mill. DM. Jetzt braucht man für den nächsten Bauabschnitt 40 bis 50 Mill., deren Hauptteil eine bevorzugte und begünstigte "Ruinengenosserschaft" aufbringen soll. Und schließlich erhofft man von der Deutschen Bauausstellung im September– außer den Plänen der internationale und deutschen Städtebauer – auch neue technische Lösungen. H. R.