Angabe ist der halbe Umbruch. Der Redakteur "gibt an", wie die Seiten einer Zeitung ausseien sollen, der Metteur umbricht sie, indem er den in Blei gegossenen Satz nach diesen Angaben zusammenstellt. Wer gern mit Bauklötzen spielte, hat als Umbruchredakteur gewisse nützliche Vorkenntnisse.

"Warum entstehen keine Löcher auf den Seiten?" "Warum ist nie über den Rand gedruckt?" "Warum paßt es immer?" Löcher schreibt der Umbruchredakteur voll, was zuviel ist, wird gestrichen. "Immer die Pointen heraus", stöhnen die leidgeprüften Autoren.

Auch Umbruch ist die Kunst des Möglichen. Es gibt stets mehrere Möglichkeiten, eine Seite zu gestalten. Die schönste, das heißt die ästhetisch vollkommenste und die praktischste zu finden, das nennt man die Kunst des Umbruchs. Gedichte, Sprüche und Aphorismen sind nicht nur zum Stopfen der Löcher da, sie sollen tatsächlich gelegentlich zur Belebung des Bildes geplant und zum Lesen ausgewählt sein!

Schlagkräftige Oberschriften sollen den Leser locken. Klarheit und Übersichtlichkeit der Aufmachung sollen ihn sicher durch die wirre Vielfalt des in Worte gebändigten Weltgeschehens führen.

Leser interessieren sich, wie sie glauben, mehr für den Inhalt als für das Aussehen einer Zeitung. Die Tätigkeit des Umbruchredakteurs ist anonym und spielt nur im Unterbewußtsein des Lesers eine Rolle: Ist er beim Aufschlagen der Zeitung schon durch den Anblick sympathisch berührt, ist es ihm durch die Anordnung leicht gemacht, die wesentlichsten Dinge sofort zu finden, weiß er, das bestimmte Artikel stets am selben Platz stehen, dann ist der erste, Kontakt schon durch den Umbruch hergestellt. Aber die Gewohnheit darf nicht zur Langenweile werden; Varianten überraschen und beleben, sie müssen nur im Stil bleiben.

Schlimmste Niederlage für den Umbruchredakteur, wenn er die wichtigste Meldung des Tages, etwa die Entdeckung des Südpols oder die Erfindung des Gedankenleseapparates, statt sie als "Aufmachung" auf der ersten Seite mit einer mehrspaltigen Schlagzeile zu bringen, als Nonpareille-Notiz versteckt. Er erschüttert die Grundfesten des Verlagshauses und kann seinen Koffer packen.

Höchstes Glück die Boulevard-Zeitung zu umbrechen, die, für den eiligen Leser gedacht, durch Buntheit der Aufmachung brilliert und die Möglichkeit des Umbruchs ins Virtuose steigert. Triumph des Umbruchredakteurs: Durch pointierte, originelle, geistvolle Überschriften, Unter- und Überzeilen, durch genau abgewogene Größenunterschiede in der Aufmachung der Artikel und Meldungen dem schnellen Leser so "ins Gesicht" zu springen, daß er den Text kaum noch zu lesen braucht und doch glänzend informiert ist. Wirkliche Sensationen, richtig herausgebracht, steigern die Auflage spontan. Aber ein mehrspaltig aufgeblasenes Nichts ist bewußte Irreführung des Lesers; er darf sich nicht betrogen fühlen, das nimmt er übel.