In einem Augenblick, wo allgemein in Westeuropa über die Devalutierungsprobleme diskutiert wird, hat Finnland ohne große Vorankündigungen die finnische Mark um 17,7 v. H. abgewertet. Die neuerliche Abwertung ist beschlossen worden, um der finnischen Exportindustrie die Konkurrenzmöglichkeiten auf dem Weltmarkt zu erhalten. Wie sie sich auf die inneren Preisverhältnisse in Finnland auswirken wird, läßt sich jetzt noch schwer sagen. Die verantwortlichen finnischen Finanzexperten haben davor gewarnt, abermals (wie 1945, 1947 und 1948) die Preis-Lohn-Schraube in Bewegung zu setzen. Dieses könnte leicht der Fall sein, weil ja die Abwertung erhöhte Importpreise in Finnmark mit sich führt Jedoch rechnet man in Helsingfors damit, daß die Importpreise in ausländischen Valuten ihre allgemein fallende Tendenz beibehalten werden, so daß die inflatorischen Auswirkungen der Abwertung womöglich vermieden werden können.

Finnlands wirtschaftliche Entwicklung seit dem Kriegsende ist keineswegs ungünstig gewesen. Die Produktion wurde überraschend schnell gesteigert. Bereits 1946 wurde das Vorkriegsniveau überschritten. Seitdem sind weitere Fortschritte zu verzeichnen gewesen. Besonders ist die Industrieproduktion stark angestiegen. Im vergangenen Jahr lag sie um 34 v. H. höher als 1938. Die Arbeitseffektivität liegt auf Vorkriegsniveau.

Auch der Außenhandel hat eine starke Expansion erlebt. Rechnet man die Schadenersatz-Lieferungen an die Sowjetunion dem Export hinzu, so hat sich für 1947 und 1948 ein Exportüberschuß ergeben. Valutamäßig gesehen ist das Verhältnis aber – namentlich 1948 – umgekehrt gewesen. Auch im ersten Vierteljahr 1949 ergab sich ein Importüberschuß, indem der Import 13,1 – Mrd. Finnmark und der Export 10,7 Mrd. Finnmark ausmachte.

Dieser Importüberschuß wurde durch das Ziehen ausländischer Kredite ermöglicht, von denen Finnland im vergangenen Jahr vier erhielt. zwei Anleihen der amerikanischen Export-Import-Bank von je 10 Mill. ein argentinischer Kredit in Höhe von 18,3 Mill. $ und ein kurzfristiger sowjetrussischer Kredit in Höhe von 5 Mill. Die Kredite, die im vergangenen Jahr nicht verbraucht worden sind, haben u. a. den Einkauf von Maschinen für die finnische Exportindustrie ermöglicht.

Die Preisverhältnisse im Außenhandel sind in den letzten Jahren außerordentlich günstig für Finnland gewesen. Mengenmäßig war der Import im vergangenen Jahr um 21 v. H. größer als 1935 und der Export um 33 v. H. geringer. Trotzdem balancierten der Import- und Exportwert verhältnismäßig günstig, weil die Exportpreise im Vergleich zu denen der dreißiger Jahre wesentlich stärker angestiegen waren, als dieses für die Importpreise der Fall gewesen ist. Insbesondere hat hier die außerordentlich günstige Konjunktur für Holz- und Papierprodukte eingewirkt. Für Finnland sind die hohen Weltmarktpreise für diese Waren eine wesentliche Voraussetzung gewesen, um die Exportindustrie, die kräftige Steigerung der Arbeitslöhne und übrigen Kosten, wie sie die erst im Laufe des vergangenen Jahres gestoppte Inflation mit sich gebracht hatte, zu tragen. Und nunmehr ist der eingetretene Preisfall für Holz- und Papierprodukte auf dem Weltmarkt die wichtigste Ursache der neuerlichen Abwertung der Finnmark gewesen. Die fallenden Exportpreise konnten nicht länger die inflatierenden Produktionskosten decken.

Um einen Ausweg zu finden, hätte der Staat Exportsubsidien geben können. Eine Verbilligung der Produktion durch erhöhte Produktivität, die an sich eine vernünftige Lösung der Exportprobleme hätte sein können, erforderte zu viel Zeit. Eine allgemeine Senkung der Produktionskosten, insbesondere der Arbeitslöhne, wurde wohl im finnischen Reichstag diskutiert, aber dann fallengelassen, weil dieser Weg den Kommunisten Wasser auf die Mühle gegeben hätte. So wurde schließlich der Weg der Abwertung beschritten, die in den Augen des Auslandes die Unkosten der Exportindustrie herabsetzt, obwohl diese in inländischem Gelde unverändert bleiben. G. M.