Die Pariser Hutmode für Herbst und Winter diktiert: keine Schleier mehr und keine Bänder! Dafür wippen ganze Vögel auf den kleinen, eng anliegenden Hüten; dafür stehen kahle Federkiele von den auf einem Ohr hockenden Kappen ab. Die Eingeweihten wissen, daß die neue Hutmode mit den Meistern der Coiffure abgesprochen ist. Die Haare bleiben kurz – höchstens sieben Zentimeter lang –, sind eng an den Kopf modelliert mit federartigen offenen Locken (daher also die Vögel am Hut!) und in asymmetrischer Linienführung. Die Dame kann sich, wenn sie will, gewellte Ponys in die Stirn legen und sich entscheiden, ob ihre vom Friseur bezogene Haarfarbe orangeblond oder tiefblauschwarz sein soll.

Die deutschen Frauen aber wollen sich nicht so recht mit dem kurzen Haarschnitt befreunden, weil er mindestens alle drei bis vier Monate eine neue Dauerwelle erfordert (jedes Haar wächst monatlich um einen Zentimeter). Die langen Haare sind billiger. Damen mit schmaler Geldbörse bevorzugen neuerdings die "Heimvelle", das ist: man kauft die chemischen Mittel, die eine "Kaltwelle" erfordert, bestellt sich anstatt den Meisterfriseur den Lehrling ins Haus. Das kostet nur den halben Preis. Die "Kaltwelle" braucht ja keine Apparate mehr und die Bedienung zu Hause ist so bequem. Der Fachmann aber warnt davor.

Die Wahl des Friseurs war immer Vertrauenssache. Allerdings verlassen sich nicht alle Friseure auf das Vertrauen ihrer Kundschaft. Ein Hamburger Haarkünstler, der nach Schweizer Vorbild dazu übergegangen war, die Wartezeit seiner Kundinnen durch Bohnenkaffee angenehm zu machen – was ihm die Innung untersagte –, bat nun durch den Umweg über das Gericht die Erlaubnis erhalten, auch andere wärmende Getränke zu verabreichen. (Die großen Friseurgeschäfte in Amerika erfreuen ihre Kundschaft neuerdings mit Fernsehsendungen.)

Die Männer sind nun endgültig vom kurzen borstigen Haarschnitt zur liebenswürdigeren Linie übergegangen. Auch jenen, die nichts mehr für den Fassonschnitt mitbringen, kann neuerdings geholfen werden. Aus der Schweiz kam kürzlich die Kunde, daß nach Versuchen an Ratten ein Pantothensäurepräparat erfunden wurde, das neuen Haarwuchs hervorzaubert, wenn es auf den kahlen Stellen der Kopfhaut verrieben wird. Die Pantothensäure gehört zum Vitamin-B-Komplex und ist auch in Hirsebrei und Trockenhefe enthalten, weshalb alle Glatzenträger beides neben reichlichen Dosen von Schwarzbrot genießen sollten. Allerdings hilft das neue Präparat nur, solange noch ein kleiner Kranz von Haaren sprießt. Ein jetzt in Holland sehr bekannt gewordener Friseur verspricht dagegen, auch totale Glatzköpfe wieder mit einem Haarkleid zu versehen. Seine Erfolge müssen frappierend sein –: der kleine Ort, in dem er vohnt, wird seit Wochen von Kunden überlaufen, für die jetzt extra ein Hotel gebaut wird...

H. S.