Die wirtschaftliche Produktion lag in allen Staaten Zwischeneuropas bei Kriegsende um 20 bis 40 v. H. unter dem Vorkriegsniveau. In den darauffolgenden zwei Jahren tasteten sich die Volkswirtschaften zwischen der Ostsee und dem Schwarzen Meer langsam empor, obwohl manche von ihnen vorübergehend neue Rückschläge erleben mußten, wie z. B. Bulgarien 1946 und Ungarn 1947. Mit dem Zusammenschrumpfen der Umsätze ließ auch der Hauptstrom der Staatseinnahmen – die indirekten Steuern – stark nach. Der drohende Zusammenbruch der Währungen zwang dann die Regierungen, Gegenmaßnahmen zu ergreifen; das Jahr 1947 brachte Geldreformen aller Art.

In der Folgezeit machte die Wirtschaft überall erhebliche Fortschritte. Die industrielle Produktion nähert sich dem Vorkriegsstand. Auf einigen Sachgebieten übertraf sie sogar die bisherigen Leistungen so die Kohlenförderung in Polen, Ungarn und Bulgarien Nur die Erdölgewinnung blieb weit zurück; sie betrug die Hälfte von dem, was vor dem Kriege gefördert wurde. Der Außenhandel belebte sich zusehends, ohne aber mengenmäßig den Stand von 1939 zu erreichen. Die Preise jedoch klettern immer noch weiter. Der Preisanstieg bis Mitte 1949 beträgt 40 bis 100 v. H.

Durch die Besserung der wirtschaftlichen Lage ermutigt, entschlossen sich die Regierungen der osteuropäischen Staaten zu dem wichtigsten Schritt in der Durchführung des sozialen und wirtschaftlichen Programms des Kommunismus? zu der Verstaatlichung der Industrie. Staatsmonopole des Außenhandels gingen überall voraus. Am gründlichsten scheint die "Nationalisierung" in Bulgarien verwirklicht zu sein, wo auch das Handwerk erfaßt wurde. Für die osteuropäischen Staaten war 1948 das Jahr der sozialen "Gleichschaltung" mit der Sowjetunion und darnieder größten sozialen Umwälzung, die sie je erlebt haben.

Ein charakteristisches Merkmal des Wirtschaftslebens in den neuen sozialistischen Republiken ist die Planung. Jedes Land hat seinen 2-, 3- oder 5-Jahresplan, nach dem Landwirtschaft und Industrie "gedenkt" werden und sich entwickeln sollen. Es wird niemanden überraschen, zu hören, daß sich die Produktionspläne nirgends erfüllt haben. Alle Pläne setzten einen blühenden Außenhandel voraus, einen erheblichen Austausch von Gütern im osteuropäischen Raum, waren aber nicht miteinander abgestimmt. Auch die Bedeutung von Engpässen, die bei jeder Anspannung der Produktionskräfte entstehen, wurde unterschätzt. Hingegen wurde die Sparquote – die Neigung und die Möglichkeit der Bevölkerung, insbesondere der Bauern, auf gegenwärtigen Verbrauch zu verzichten – stark überschätzt. Und da alle Pläne außergewöhnlich hohe Investierungen erforderten, hatten diese Fehl-Schätzungen wichtige Folgen.

Schließlich waren die natürlichen Bedingungen in den letzten drei Jahren für die Landwirtschaft nicht sehr günstig. 1946 herrschte in Rußland eine große Dürre, die auch die Balkanhalbinsel erfaßte.

Es wäre ein grober Fehler, aus der Nichtübereinstimmung zwischen Planziffern und tatsächlichen Ergebnissen nun Schlüsse auf die wirtschaftliche Lage zu ziehen. Man darf eben Planziffern "nicht ernst nehmen". Die Bedeutung eines Produktionsplanes für eine sozialistische! Gesellschaft liegt in einer ganz anderen Ebene. Der Plan ist ein unentbehrliches Kontrollmittel – er ist der Rahmen der persönlichen Verantwortung, die das private Interesse als Triebfeder der Wirtschaft ersetzt. Der Plan verkörpert ferner die Wirtschaftspolitik der Regierung, indem er auf die Dauer entscheidet, in welcher Richtung sich das Land entwickeln soll.

Wenn man die Produktionspläne der osteuropäischen Staaten vergleicht, so findet man, daß alle dasselbe wollen. Jedes Land will Industriestaat werden; im Agrarbereich soll die intensivste Form der Landwirtschaft herrschen. Der erste Fünf jahresplan Jugoslawiens, das nunmehr politisch und wirtschaftlich einen neuen Kurs einzuschlagen scheint, sieht vor, daß 1951 die industrielle Produktion das Dreifache dessen betragen soll, was 1939 erzeugt wurde In seinem Plan erwartet Bulgarien für 1953 ein Gesamtbruttoprodukt, in dem 45 v. H. auf die Industrie entfallen; mit anderen Worten, es will in fünf Jahren das erreichen, was ändert Länder in mehreren Jahrzehnten erreicht haben. Nicht minder wichtig ist die andere Tendenz in der Zielsetzung! der Übergang zu intensiver Landwirtschaft.