Von Ascan Klee Gobert

Reporter (geheimnisvoll flüsternd): Wir befinden uns in der Wohnung von Rotkäppchens Großmutter. Trotz eines sichtlichen Durcheinanders der ärmlichen, aber soliden Zimmereinrichtung läßt daß sauber gehaltene Behelfsheim nichts von den grausigen Geschehnissen ahnen, Welche sich heute in den frühen Morgenstunden hier abgespielt haben. Noch ist der Jäger nicht in Sicht, noch ist es beängstigend still bis auf ein knirschendes Geräusch, von dem unsere geübten Hörer selbst erraten werden, ob es sich um a) eine Demontagesäge im Walde, b) das Schnarchen des Wolfes in Großmutters Bett oder c) das Asthma der Großmutter in Isegrimms Bauch handelt. Doch soeben erwacht der Wolf, und wir wollen schnell, ehe der Jäger angekommen ist, ein paar Fragen an ihn stellen: "Mr. Wolf, wie ist Ihnen der Lunch bekommen, sind Sie mit der Ernährungslage zufrieden?"

Wolf: "Nun, ich bin sehr zufrieden und überrascht. In der sogenannten Märchenzeit hätte ich nur die Großmutter und Rotkäppchen gefressen. Aber heute kamen noch viele Besucher des einsamen Häuschens im Walde dazu, nämlich ein Beamter vom Wohnungsamt, einer vom Landeswahlamt, einer vom Ortsamt, einer vom Lohnsteueramt, ein Kaninchenzähler, ein Tabaksteuerkassierer, ein Verkäufer von Rasierklingen und drei mit Bohnerwachs. Man kommt anscheinend in Deutschland kaum zur Ruhe!"

Reporter: "Und nun noch eine Frage, Mr. Wolf! Sie befinden sich schon mehrere Stunden in Deutschland. Was halten Sie vom Wiederaufbauprogramm?"

Wolf: "Nun, ich bin sehr zufrieden. Nach den Wahlprogrammen aller Parteien werden Sie bald Schwierigkeiten haben, neue Häuser loszuwerden."

Reporter (hat längst nicht mehr zugehört): Doch da naht der Jäger. "Guten Tag, Herr Nimrod! Herr Nimrod, Sie sind nun also der zuständige Revierförster?"

Jäger: "Ja, ja..."