Wir setzen die Betrachtung über die Auslandsverschuldung fort und verweisen auf den Aufsatz in Nummer 30 der "Zeit" unter dem Titel "Bereinigung der Auslandsverschuldung"

Es ist recht bedauerlich, daß die Siegerrmächte es für richtig befunden haben, das gesamte private deutsche Auslandsvermögen zu beschlagnahmen, um es gemäß den Beschlüssen der Potsdamer Konferenz für Reparationszwecke zu verwenden. Damit ist dem anerkannten Grundsatz des Völkerrechts, daß das Privateigentum des Feindes zu respektieren ist – und damit gerade demjenigen Prinzip, das zu den tragenden Stützen der westlichen Zivilisation gehört – die Anerkennung erneut versagt worden.

Zwar haben Schweden, und vor allem die Schweiz, die sich unter dem Druck der Alliierten verpflichten mußten, alles in ihren Ländern befindliche deutsche Vermögen unter Kontrolle zu nehmen, zu liquidieren und einen Teil des Erlöses an die Internationale Reparationsagentur abzuführen, in dem sogenannten Washingtoner Abkommen durchgesetzt, daß die enteigneten Deutschen entschädigt werden sollen. Dadurch ist wohl eine dem Völkerrecht wie dem internationalen Privatrecht völlig zuwiderlaufende entschädigungslose Enteignung vermieden worden. Aber selbst wenn eine wirklich vollwertige Entschädigung stattfinden sollte – was angesichts der deutschen Staatsfinanzen ausgeschlossen erscheint – so würde diese stets nur in deutscher Währung erfolgen und deswegen nichts daran ändern, daß die Enteignung der Auslandswerte die devisenmäßige Leistungsfähigkeit Deutschlands zum Nachteil seiner alten Gläubiger entscheidend gemindert hat.

Man sollte hoffen, daß vor allem die großen Gläubigerländer – ähnlich wie es nach dem ersten Weltkrieg die USA taten – sich entgegen der in den meisten Ländern heute noch vorherrschenden Einstellung doch noch bereitfinden werden, deutsche Werte in ihren Hoheitsgebieten freizugeben. Zumindest aber sollten sie dem privaten Charakter der deutschen Auslandswerte so Rechnung tragen, daß der Erlös aus Liquidationen in erster Linie zur Befriedigung der privaten Auslandsgläubiger, dagegen für all-, gemeine, d. h. staatliche Reparationsforderungen erst dann in Anspruch genommen wird, wenn die ja auch zeitlichen Vorrang genießenden alten Privatansprüche Befriedigung gefunden haben.

Warum sollten die Siegermächte nicht in der Lage sein, so zu verfahren? Denn nach den verschiedenen zwischen ihnen geschlossenen Abkommen ist es jeder einzelnen Macht überlassen, die in ihrem Hoheitsgebiet befindlichen deutschen Vermögenswerte nach, eigenem Ermessen zu behandeln. Verpflichtungen sind von den Unterzeichnerstaaten wechselseitig nur in der Richtung angefangen worden, daß die Rückkehr der bechlagnahmten Werte, in deutschen Besitz oder in deutsche Kontrolle ausgeschlossen sein soll.

Bei einer solchen Gesichtspunkten entsprechenten Abwicklung sollte in der ersten Linie die Bereinigung der unmittelbaren Beziehungen Zwischen dem Auslandsgläubiger und seinem deutschen Schuldner stehen. Das würde bedeuten, daß zunächst individuelle Ansprüche und Gegenansprüche miteinander aufgerechnet werden. Es würde weiter bedeuten, daß das im JARA-Land elegene Vermögen des Schuldners vorab dazu, erwendet wird, auf. ihm ruhende gesetzliche asten sowie pfandgesicherte Ansprüche des Gläubigers zu befriedigen. Soweit Vermögenswerte schön liquidiert wurden, hätte hier wie überall der Liquidationserlös an ihre Stelle zu treten. Ebenso müßten die Anteile, welche die einzelnen der JARA angeschlossenen Länder von dieser (aus den Einzahlungen z. B. von Schweden und der Schweiz) erhalten, für die Befriedigung der privaten Gläubiger freigestellt werden.

Der nach Abtragung der Vorrang genießenden Ansprüche verbleibende Vermögensanteil könnte dann zur Tilgung der sonstigen Forderungen dienen, die ein Angehöriger des betreffenden JARA-Landes gegen den früheren Eigentümer hat.