Die Zinnkonferenz in London ist ohne ein greifbares Ergebnis zu Ende gegangen. Die Gegensätze waren aber offenbar so groß, daß man zu keinen endgültigen Beschlüssen kommen konnte. Das kann nicht weiter überraschen. Wenn auch die Zinnerzeugung nach dem Zusammenbruch des alten Zinnkartells, der Tin Producers Association, von einer neuen Organisation in der Nachkriegszeit, der Tin Study-Group und ihrem ausführenden Organ, dem Combined Tin Committee, kontrolliert wird, so ist diese Organisation doch von dem alten Kartell grundverschieden, weil sie nicht nur Erzeuger, sondern auch Verbraucher umfaßt, deren Interessen. natürlich nicht gleichlaufend sind. Der Exponent der an hohen Zinnpreisen interessierten Erzeuger ist England. Auf der anderen Seite stehen die Verbraucherländer, die eine ausreichende Bedarfsdeckung zu angemessenen Preisen anstreben, Sie werden von den USA geführt, obwohl diese in den Kriegsjahren die Zinnerzeugung in der staatlichen Hütte in Texas City aufgenommen haben.

Die USA verfügen allerdings über keine eigene Erzbasis. (Die bolivianischen Erzgruben, mit denen die USA im Krieg langfristige Lieferverträge abgeschlossen. hatten, haben sich die Zwangslage der USA zunutze gemacht, indem sie die Preisforderungen für ihre Konzentratlieferungen immer höher schraubten. War die amerikanische Wirtschaft vor dem Krieg in der Deckung ihres Zinnbedarfs vollständig dem englisch beherrschten Zinnkartell ausgeliefert, so hat die Produktionsaufnahme im Krieg nur einen Wechsel in der Abhängigkeit gebracht. Heute muß man sich dem Preisdiktat, der bolivianischen Erzgruben beugen, und darüber hinaus muß man das relativ teure Zinn des Fernen. Ostens zusätzlich beziehen.

Im Interesse der Anlegung von – strategischen Reserven hat die amerikanische Regierung offenbar in der Nachkriegszeit keinen entscheidenden Wert auf die Höhe des Zinnpreises gelegt, und damit den Engländern, denen an hohen Zinnpreisen im Interesse des Dollaraufkommens gelegen war, keine Schwierigkeiten gemacht. Die Dinge haben sich aber gewandelt, seitdem die Preise der anderen Schwermetalle ins Rutschen gekommen sind, Kupfer liegt heute nur noch um etwa 59 v. H. über dem Jahresdurchschnittspreis von 1939, Zink um 86 v. H., Zinn dagegen um III v. H. Es wird nur noch vom Blei mit 138 v. H. übertroffen.

Hinzu kommt, daß sich die Lage des Marktes für eine unnachgiebige Haltung der Zinnerzeuger in der Preisfrage ungünstig entwickelt hat. Faßt man die Kriegs- und Nachkriegsjahre zusammen, so zeigt sich, daß der Zinninhalt der Bergwerksforderung der Welt in dem Jahrzehnt 1939 bis 1948 mit 1 439 400 lg/t die Hüttenzinnerzeugung, die nur 1 439 400 lg/t betrug, um 78 600 lg/t übertraf. Der Zinnverbrauch der Welt blieb aber im gleichen Zeitraum mit

1 282 600 lg/t um 78 200 lg/t hinter der Zinnerzeugung zurück. Das ergibt bis Ende 1948 rechnerisch einen Zinnüberhang von 156 800 lg/t in der Form von Erzen und metallischem Zinn, der nahezu einer Jahreserzeugung der Hütten gleichkommt. Die Bergwerkserzeugung hatte 1948 einen Zinninhalt von 152 900 lg/t, die Hüttenzinnerzeugung betrug 159 300 lg/t und der Weltzinnverbrauch nur 138 400 lg/t.

Es überraschte unter diesen Umständen nicht, daß der Internationale .. Zinnausschuß für das erste Halbjahr 1949, eine Menge von 61 475 lg/t zuteilte, was sehr großzügig war, betrugen doch die Zuteilungen für das Jahr 1946 beispielsweise, obwohl zweifellos keine Knappheit herrschte, nur 48 846 lg/t und 1947 nur 56 797 lg/t.

Jetzt ist die gefährliche Lage offenbar auch von den Produzenten erkannt worden. Der Vorsitzende der Billiton Maatschappy im Haag, der größten indonesischen Zinngesellschaft, erklärte auf der Hauptversammlung, daß mit nachgebenden Zinnpreisen zu rechnen sei. Der britische Vorschlag an die Delegierten der 14 Mitgliedstaaten der Zinn-Studien-Gruppe, sich für die Einberufung einer Weltkonferenz einzusetzen, auf der ein Zinnabkommen geschlossen werden, sollte, „unter dem Angebot und Nachfrage zu angängigen. Preisen reguliert werden sollten“, zeigt den Ernst der Lage. H. B.