Es war ein spannungsgeladener Reißer und auch wieder nicht. Es geschah ein Mord, aber es stellte sich im dritten Akt heraus, es war gar keiner. Das Publikum atmete auf, aber es fühlte sich auch ein bißchen genasführt. Jaques Deval hat das ewige französische Dreiecksproblem der Ehe in Plüsch gebettet, er hat den Schmutz und Staub in einem Spießerheim aufgewirbelt, in dem ein biederer, gutmütiger Eheveteran von seiner Eheveteranin und ihrem jüngeren ’Liebhaber ermordet werden soll. Mit peinlicher Genauigkeit hat der Autor alle geheimsten Gründe und Gegengründe dafür angeführt. Josef Sieber allerdings gelang es, den gründlichen Geständnissen dieses Bourgeois („In 17 Jahren hat man sich gegenseitig schon manchmal den Tod gewünscht, ja mehr, man hat gewünscht, der Partner wäre nie geboren“) die bohrende Peinlichkeit zu nehmen und durch die lebensvolle Wärme seines Spiels persönliche Anteilnahme zu gewinnen. Annemarie Schradiek als seine Lebenspartnerin gab einer schwankenden Figur überzeugend Gestalt. Am Ende gibt es eine nicht unbedingt vorhergesehene Versöhnung, ein junges Paar erhält ein paar oberflächliche Belehrungen und der Liebhaber Hausverbot. Titel: Die Frau deiner Jugend. Die sommerlich beschwingten Premierengäste in den Hamburger Kammerspielen waren gern bereit zu glauben, daß trotz tiefer Abgründe alles nur halb so schlimm ist, und applaudierten lebhaft.

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Was der Mensch so gern möchte und was ihm nur seine Phantasie zu erleben erlaubt: Im Film allein hat er es bisher geschafft, das Unwirkliche sichtbare Wirklichkeit werden zu lassen. Der englische Farbfilm „Der Dieb von Bagdad“ (Produktion Alexander Korda), der jetzt in Hamburg, Berlin und Stuttgart anlief, war vor zehn Jahren bei seiner Uraufführung ein Sensationserfolg. Fliegende Riesen und fliegende Teppiche, in den Lüften galoppierende Zauberrösser, Prinzessinnen, Sultane und Schurken (zum letztenmal der nicht mehr unter den Lebenden weilende Konrad Veidt), Paläste, Prunk und Pomp, arabischer und asiatischer Sagenzauber, das alles zusammen gibt ein anschaubares Monstre-Märchen in rauschenden Farbsinfonien. Und wie es sich fürs Märchen versteht, ist es voll Liebe und Grausamkeiten, aber das Gute siegt über das Böse durch die Unschuld eines Kindes (Sabu, der sympathische Exote). Wiederholt wird das Märchen etwas breit und verliebt in die schwelgerischen Mittel vorgetragen, aber immer wieder ermuntert die strahlende Komik und die wuchernde Phantastik der utopischen Überraschungen. Ein Film um des Filmes willen, der alle Register zieht. E. M.