Jakob Kaiser forderte in Wahlreden ein Bundesamt für deutsche Einheit. Dr. Seebohm von der Deutschen Partei forderte die Abschaffung der europäischen Grenzen. Max Reimann wurde in Braunschweig inmitten tätlicher Auseinandersetzungen bei einer Wahlversammlung niedergeschrien, Dr. Adenauer in Nürnberg mit Steinen beworfen.

Ab 1. Oktober wird in allen hessischen Schulen als neues Lehrfach vom 5. Schuljahr an der politische Unterricht eingeführt, um der Jugend Verständnis für die politischen Zusammenhänge zu vermitteln.

Der SPD-Vorsitzende Dr. Schumacher erklärte, daß die SPD die Koalition mit den bürgerlichen Parteien der künftigen deutschen Bundesregierung nicht grundsätzlich ablehne, die SPD werde sich jedoch unter keinen Umständen an der Bildung einer Bundesregierung beteiligen, in der der jetzige Wirtschaftsdirektor Professor Erhard das Wirtschaftsressort übernehme.

Der Organisationsausschuß hat für die vorläufig geplanten neun Bundesministerien einen Personalbedarf von 3255 Beamten und Angestellten errechnet. Sozialminister Dr. Amelunxen äußerten daß die Zahl der Ministerien nicht groß gering sein könne. Je mehr Minister es gäbe, desto geringer werde die Bürokratie der Verwaltung sein.

Als Termin für die Wahl der Bundesregierung und des Bundespräsidenten wurde von den Ministerpräsidenten der elf Länder der 9. September in Aussicht genommen.

Das Soforthilfegesetz ist vom Zweimächtekontrollamt genehmigt worden. Es kann unverzüglich verkündet werden, ohne daß sich der Wirtschaftsrat noch einmal damit befaßt. Nach Ansicht des in Frankfurt gebildeten Hauptamtes für die Soforthilfe kann damit gerechnet werden, daß die ersten Auszahlungen bereits Ende August erfolgen.

Die Länderchefs sind, wie Ministerpräsident Stock mitteilte; durch die Militärregierungen davon unterrichtet worden, daß mit der Rückführung der noch in Sowjetrüßland befindlichen deutschen Kriegsgefangenen bis Ende 1949 zu rechnen sei.