„Wir haben jetzt eine halbe Stunde Ruhe, und in dieser Zeit überlegen Sie die Fragen genau. Ich werde Sie später noch einmal zu mir einladen, um das Protokoll aufzusetzen.“ So sagte der Untersuchungsrichter in einem Ton, der keinerlei Widerspruch duldete

Er rief den Gefängniswärter und ich wurde in die Zelle 449 zurückgeführt.

Als ich meine Zelle betrat, brach ich gleich an der Tür zusammen. Meine Freunde halfen mir, richteten mich auf, und legten mich auf eine Pritsche. Irgend jemand trat mir seinen Platz ab. Ich fühlte eine unendliche Liebe zu diesen Menschen. Das waren echte Freunde, und ohne Zweifel waren sie ebenso unschuldig wie ich. Einige befühlten meine Hände und Füße, die anderen besorgten Wasser, irgend jemand bettete meinen Kopf auf einem Kleiderbündel. Sie befragten mich, ich konnte aber nicht antworten. Kehle und Zunge waren wie gelähmt. Ich wollte weinen, meine Tränen waren jedoch versiegt

Nicht minder schlimm als meine körperlichen Schmerzen war meine seelische Verzweiflung. Mich überkam ein großes Schamgefühl. Bis vor kurzer Zeit war ich selbst ein treues Mitglied dieser Partei, in deren Namen alle Grausamkeiten verübt wurden, die ich eben erleben und erdulden mußte. Auch ich konnte mich demnach von der Verantwortung für diese Geschehnisse nicht freisprechen.

Im gleichen Augenblick öffnete sich die Zellentür, und ich hörte von neuem meinen Namen. Entsetzen erfüllte mich. Ich war bereit, in jedes Konzentrationslager zu gehen und dort mein ganzes Leben zu verbringen, aber vor dem höllischen Kellergewölbe hatte ich eine unbeschreibliche Angst. Ich zitterte wie im Fieber.

Der Untersuchungsrichter hatte das Protokoll bereits fertiggestellt. Auf den Formularen standen meine Personalien, und einige Einzelheiten aus meinem Lebenslauf, und dann folgten die Fragen: Geben Sie zu, Mitglied einer antisow jetischen, trotzkistischen Spionageorganisation bei der bulgarischen Sektion der Komintern gewesen zu sein?

Als ich diese Frage gelesen hatte und die fertig dahinter stehende Antwort begriff, war ich einfach sprachlos.