Und wie zur Strafe für meine Vermessenheit, daß ich die NKWD, dieses bewährte Instrument der Stalinschen Macht, beleidigt hatte, regnete es wieder endlose Schläge. Die Quälerei dauerte vielleicht zwei Stunden... Ohne etwas erreicht zu haben, entließ mich der Untersuchungsrichter schließlich, und ich wurde wieder in die Zelle zurückgeführt.

In der nächsten Nacht wiederholte sich das gleiche Schauspiel, Mein Körper war grün und blau, die Schmerzen waren fürchterlich. Neun Nächte hintereinander wurde ich zu den Vernehmungen geführt. jedesmal schlug mich der Untersuchungsrichter fünf bis sechs Stunden. Er machte nur kurze „Ruhepausen“, um zwischendurch eine Zigarette zu rauchen. Endlich hatte er mich so weit. Ich folgte dem Beispiel der anderen und dichtete einen „Roman“. Auf einem Fetzen Papier, den mir der Sadist zur Verfügung stellte, schrieb ich folgendes auf: Der Beamte der bulgarischen Gesandtschaft in Moskau, mit dem ich Verhandlungen über meine Rückkehr in die Heimat führte, habe mir vorgeschlagen, ihm Angaben über die Art meines Dienstes in der UdSSR zu machen. Ich hätte mich damit einverstanden erklärt, und wollte ihm alle verlangten Informationen nach meiner Rückkehr in die Heimat, das heißt in Bulgarien, zur Verfügung stellen.

Selbstverständlich war kein Wort davon wahr. In der bulgarischen Gesandtschaft wurde ich keineswegs über irgend etwas befragt. Kein Mensch hatte sich für die Art meiner Tätigkeit in der UdSSR interessiert.

Ich bereute meine Tat jedoch sofort nach der Rückkehr in die Zelle. Ich konnte die nächste Vernehmung kaum erwarten und erklärte dem Untersuchungsrichter, daß ich mein Geständnis zurücknehme, daß mir in der Gesandtschaft keinerlei verfängliche Fragen vorgelegt wurden und ich in Wirklichkeit völlig unschuldig sei.

Selbstverständlich begannen die Folterungen nun von neuem.

Das war also der Dank für meine langjährigen und treuen Dienste in der kommunistischen Partei... Ich kapitulierte jedoch nicht! Mir gegenüber wurde außerdem noch ein besonderer Sadismus angewandt. Der Untersuchungsrichter beschimpfte meine Frau in der gemeinsten Weise mit Ausdrücken, die gar nicht wiederzugeben sind. Das war beinahe ebenso schwer zu ertragen wie die Schläge.

Der Untersuchungsrichter, welcher mich derartig verhöhnte, hieß Kasjukoff. Nur eine Nacht wurde ich ausnahmsweise von einem anderen Berufsbanditen bearbeitet, dessen Name Jüdin war. Von den 248 Mann, die in der Zelle Nr. 449 saßen, leisteten nur ich und ein chorvatischer Häftling Widerstand und wollten kein „Geständnis“ ablegen. Alle anderen hatten ihre „Verbrechen“ gestanden. Diese Leute hatten sich also selbst die Visitenkarte als Spione, Schädlinge, Konterrevolutionäre und Trotzkisten ausgestellt. Mein und des Chorvaten Eigensinn war ihnen sogar sehr unangenehm, und die meisten waren böse, daß wir mit unserem Betragen und unserer Unversöhnlichkeit den Eindruck erweckten, daß die „Geständigen“ tatsächlich Verbrecher seien.