Die europäischen Landflächen, die von Gärten und Gärtnereien eingenommen werden, sind in ihrer Ausdehnung gering im Vergleich mit den landwirtschaftlich bebauten Räumen. Abgesehen von dem größeren Vitaminreichtum gärtnerischer Nahrung ist die Gartenlandschaft auch als Erholungsquelle für den Menschen von großer Bedeutung.

In Frankreich, an den romantischen Ufern der Loire, besteht seit ungefähr einem Jahr ein internationales Zentrum der Gartenbaukunst, das Erfahrungen und Forschungsergebnisse aus der ganzen Welt in der Praxis verwertet. François Carvallo hat es in seinem Schloß Villandry eingerichtet. Seltene Gartenblumen, Gemüse und Obstbäume aus Europa, Amerika, Australien werden neben einheimischen Pflanzen gezogen. Alles, was die Gartenbaukunst an Möglichkeiten bietet, ist hier zusammengefaßt. Allein der Gemüsegarten, der seine ornamentale Anordnung der Formfreudigkeit des 17. Jahrhunderts verdankt, ist eine Schmucklandschaft im kleinen, die Farben der Gemüse harmonieren, Rosenrabatten unterbrechen die langen Reihen der Kohlköpfe, und wo sich die Kieswege überschneiden, plätschern Fontänen, die von Rosenlauben umrahmt sind.

Die jungen Gärtner aller Nationen verbringen in Villandry nach Beendigung ihrer theoretischen Ausbildung ein praktisches Jahr, in dem sie von der Rasenbehandlung, der Arbeit im Weinberg, Zier- und Gemüsegarten alles erlernen, was bisher in der Gartenbaukunst erreicht würde. Der Begründer dieses internationalen Zentrums will noch mehr erreichen: Villandry soll ein Vorbild sein. Aus England, Holland, Belgien und der Schweiz führen bereits Verbindungen nach Villandry. Seltene Pflanzen und Sämereien werden geschickt, und Fachleute treffen sich in den historischen Räumen des Renaissanceschlosses zum Austausch ihrer Erfahrungen. In nicht mehr als einem Jahr scheint Villandry wirklich zum Ausgangspunkt eines europäischen Gartengesprächs geworden zu sein.

Auch in Deutschland sind nach dem Kriege die Bemühungen um Gemeinschaftsgärten für wissenschaftliche Studien wiederaufgelebt. Eine Hochschule für Gartenbau- und Landeskultur wird in Herrenhausen bei Hannover eingerichtet. Für die praktische Arbeit von Lehrern und Schülern soll der berühmte Schloßgarten Herrenhausen weiter ausgebaut werden. Auch die Lehr- und Forschungsanstalt Weihenstephan bei München richtet einen neuen Sammel- und Sichtungsgarten ein, der in enger Verbindung stehen soll mit dem großen Schaugarten von Nymphenburg. Und selbst in der Ostzone werden neue Lehrgärten angelegt. So hat die Stadt der Gärtnereien, Erfurt, einen solchen für Nutz- und Schmuckgartenpflanzen eingerichtet, und an der Universität Halle ist ein Institut für Kultur- und Pflanzenforschung entstanden, das sich vor allem mit Versuchen zur Züchtungssteigerung befaßt. Der Sammelgarten auf der Potsdamer Freundschaftsinsel ist ein Opfer des Krieges geworden. Ob er an anderer Stelle neu erstehen wird, ist noch nicht sicher.

Erst kürzlich wurde in Landau die Südwestdeutsche Gartenbauausstellung eröffnet, auf der unter den 400 Ausstellern auch viele aus Holland, Belgien, Luxemburg, der Schweiz und Südamerika vertreten sind. Sie sehen in Deutschland, wo vorläufig bei größter Anstrengung nur 40 v. H. des Bedarfs gedeckt werden können, einen geeigneten Absatzmarkt für ihre Gartenerzeugnisse. K. F.