Am zweiten Tag des diesjährigen „Internationalen Pax-Christi-Kongresses“ in Lourdes stand die 21jährige schwerkranke Maria Hages nach dem Empfang, der Kommunion am Bernadette-Altar von ihrer Bahre auf und war gesund. Maria Hages stammt aus Engers bei Koblenz und litt seit Jahren an Darm- und Lungentuberkulose. Dem deutschen Pilgerzug nach Lourdes, der in Mainz eingesetzt wurde, hatte sie sich gegen den ausdrücklichen Wunsch des begleitenden Arztes angeschlossen. Er hielt sie für eine Todkranke und wollte die Verantwortung während der Fahrt nicht auf sich nehmen. Und wirkliche in Lourdes kam sie in einem so schlechten Zustand an, daß alle das Schlimmste befürchteten, bis die Heilung an der Stelle geschah, wo vor nun schon über 90 Jahren dem Mädchen Bernadette Soubious die „Dame“ erschien.

Seitdem ist Maria Hages von Fachärzten untersucht worden. Sie stellten übereinstimmend fest, daß sie weder Fieber noch ihren üblichen Darmkatarrh hatte; im übrigen war die schwache Maria Hages plötzlich kräftig geworden: sie besaß Muskeln, mit denen sie einen ganzen Tag lang – wie ein normaler Mensch – gehen und stehen und knien konnte.

Vielleicht sollten alle bei der Beurteilung dieses „Wunders“ vorsichtig sein. So vorsichtig wie es die katholische Kirche selbst ist, die in solchen Fällen nichts unterläßt, um Zusammenhänge und Geschehnisse soweit und so natürlich zu erklären, wie es eben geht. Um zu der Heilung in Lourdes ein rechtes Verhältnis zu bekommen, bedarf es keiner böswilligen – aber einer, redlichen Skepsis. Doch sind wir heute zu solch redlicher Skepsis fähig? Neigen wir nicht in solchen Fällen dazu, kompromißlos zu glauben oder absolut zu negieren? Und zeigt sich nicht gerade in diesen beiden Extremen, wie weit wir entfernt sind vom echten Bereich des Wunderbaren? – P. H.