Es ist schwer zu sagen, ob die Reise der amerikanischen Generalstabschefs durch Westeuropa und ihre geheimen Besprechungen eigentlich zur Beruhigung der Welt beigetragen haben oder nicht. Schließlich sind die Besprechungen mit der Generalstabsführung von elf europäischen Ländern in den verschiedenen Metropolen des Westens eine demonstrative Geste noch nie dagewesener Eindringlichkeit. Vielleicht ist es darum gut, daß fast zur gleichen Zeit, gewissermaßen als konkurrierendes Unternehmen, der Europäische Rat in Straßburg tagt, an dem die Staatsmänner der gleichen Länder über den politischen. Zusammenschluß der westeuropäischen Völker betaten.

Man könnte meinen, das alte Wort; der Krieg sei der Vater aller Dinge, werde noch einmal bestätigt. Denn, es scheint, daß der so notwendige friedliche Zusammenschluß, der nach dem letzten Kriegserlebnis eigentlich ein selbstverständlicher Wunsch sein sollte, auf dem Umweg über die ver-> leitende Vorbereitung des nächsten Krieges sicherer und besser gefördert wird als durch die unmittelbare Organisierung des Friedens. Amerika hat seit 1945 mit allen Mitteln versucht, die europäischen Staaten zu einer vielfältig ineinander verzahnten Einheit zusammenzuschließen. Bei dem allgemeinen Bestreben, unabhängig zu bleiben und self supporting zu werden, ist dieses Ziel auf ökonomischem und politischem Gebiet bisher nur unzulänglich erreicht worden. Die Koordinierung der Verteidigungspläne hingegen mag erstmalig einen wirklichen Fortschritt bringen: Entweder das Prinzip der Autarkie wird auf militärischem Gebiet endgültig preisgegeben, das heißt, jedes Land gibt die paritätische Aufrüstung aller Waffengattungen auf und stellt seine Spezialkontingente dem Ganzen zur Verfügung oder die Koordinierung kommt überhaupt nicht zustande. Dies aber würde bedeuten, daß die Hoffnung auf ein wirksames Verteidigungssystem Europas zusammenbricht, denn fraglos würde Amerika in diesem Falle keine Unterstützungen gewähren. Die Aufrüstung als Schrittmacher des Friedens, das ist in der Tat ein typisches Phänomen unserer Zeit. Dff.