Die tschechische Regierung hat mit ihrer kürzlich ausgesprochenen Drohung Ernst gemacht und einen Priester, der einer Kommunistin auf Grund des vatikanischen Exkommunikationserlasses die Sakramente verweigerte, im Schnellverfahren wegen „Hochverrates“ zu acht Jahren Gefängnis verurteilen lassen. Ohne Zweifel hat sie sich damit auf einen gefährlichen Weg begeben. Zwar ist der Pater Faistl, der das Opfer dieses merkwürdigen Hochverratsprozesses wurde, bei weitem nicht der erste Märtyrer unter den Priestern der Vorhang-Länder oder auch nur der Tschechoslowakei. Aber es war bisher kommunistische Spielregel, die mißliebig gewordenen Bischöfe und Geistlichen, deren man sich entledigen wollte, auf Grund oft ganz phantastischer Vorhände, wie Spionage und Devisenschmuggel, vor Gericht zu ziehen. Daß ein Priester in Ausübung seiner seelsorgerischen Tätigkeit angeklagt wird, stellt ein Novum dar, und die These, daß nur gegen Priester vorgegangen werde, die sich gegen das Strafgesetz vergehen, ist nun nicht mehr aufrechtzuerhalten. Noch Kardinal Mindszenty ist auf Grund verschiedener, wenn auch vermutlich fingierter strafrechtlicher Tatbestände verurteilt worden. Die Sakramentsverweigerung aber ist zweifellos kein Tatbestand des staatlichen Strafrechts. Es kann daher auch kein Verbrechen im Sinne des Hochverrats sein, wenn ein Geistlicher von einer „fremden Macht“, nämlich vom Vatikan, Befehle entgegennimmt. Die Annahme und Ausführung solcher Befehle wäre nur dann rechtswidrig, wenn ihr Inhalt gegen bestehende Gesetze des Staates verstieße. Der Prozeß gegen den Pfarrer Faistl zeigt, daß die Prager Regierung entschlossen ist, den Kampf gegen die Kirche zu verschärfen. Die Kirche ihrerseits hat durch die Exkommunikation des mährischen Pfarrers Wolny, der sich geweigert hatte, aus der kommunistisch geführten sogenannten „Katholischen Aktion“ auszutreten, zu erkennen gegeben, daß sie trotz der Drohung der Regierung von ihrem Standpunkt keinen Fingerbreit abzurücken gedenkt.

Sehr bezeichnend ist, daß die amtliche Prager Propaganda heftig bemüht ist, die Maßnahmen gegen die Kirche dem amerikanischen Liberalismus gegenüber zu rechtfertigen. Sie behauptet, daß es sich im Grunde nur um eine verspätete Aktion zur Reformierung mittelalterlicher Verhältnisse handle. Indessen, schon die altösterreichische Gesetzgebung war, wenn man von der Untrennbarkeit der katholischen Ehe absieht, nicht klerikal, sondern durchaus liberal, und die Erste Republik war gemäß den Anschauungen von Benesch und Masaryk fast kirchenfeindlich. Es ist daher unsinnig, wenn der stellvertretende Ministerpräsident Fierlinger dieser Tage einem amerikanischen Journalisten weiszumachen versuchte, daß die kommunistische Regierung im Augenblick „nur ein mittelalterliches Problem löse, was im England der Tudors schon vor Jahrhunderten geschehen sei“. Von einem gesetzlichen Einfluß der Kirche oder gar des Vatikans auf die Angelegenheiten des Staates kann in der Tschechoslowakei gar keine Rede sein. Auch der kirchliche Grundbesitz oder die Bezahlung der Priester spielt im tschechischen Kirchenkonflikt keine Rolle. Er entspringt vielmehr, wie in allen totalitären Staaten, der Tatsache, daß die Kirche ihrer Natur nach nicht schweigen kann, wenn der Staat zur Verwirklichung seiner Zwecke die Gesetze der Moral nicht nur mißachtet und verletzt, sondern geradezu abschafft und an ihre Stelle ein System des positiven Unrechts setzt. Auf den Protest hiergegen kann die Kirche, die katholische wie jede andere, gar nicht verzichten, ohne sich selbst aufzugeben. Das aber ist es, was Herr Fierlinger eine Einmischung der Kirche nennt, wie „auch die Vereinigten Staaten sie nicht dulden“ würden“. Gewiß können die Kirchen auch in den USA dem Präsidenten und dem Kongreß, nicht vorschreiben, wie sie sich zu verhalten haben, aber sie können ihre Stimme erheben, wenn die Moral in Frage gestellt wird. Und von diesem Recht machen die Kirchen auf der ganzen Welt einen gründlichen und oft segensreichen Gebrauch, nur in den totalitären Staaten, ob sie nun nationalsozialistisch oder kommunistisch sind, wird es ihnen verwehrt. H. A.