„All that is wrong and exaggerated in Keynes I said mach earlier and more clearly

Die neue Sentenz klingt ganz gut im Ohr: „Was produziert werden kann, das muß auch finanziert werden.“ Sie hat jedoch nur den einen aber entscheidenden Nachteil: sie stimmt nicht.

Es gibt nämlich Waren, die heute schon allzureichlich produziert werden, ohne daß die klugen Leute,, die jene Sentenz im Munde führen, nun zu sagen wüßten, wie man gleichzeitig den Preis solcher Erzeugnisse stützen und ihren Absatz sichern könnte: Etwa bei Frühkartoffeln und Pflückerbsen, bei Möhren und Weißkohl. Gewiß kann man Kredite an die Konservenindustrie geben, kann Kohl- und Kartoffelscheunen bauen, um das Überangebot bis zum Frühjahr 1950 einzulagern; wer aber soll die Verlustrisiken solcher Geschäfte übernehmen?

Die kaufkräftige Nachfrage fehlt. Und diese ist nun einmal nicht durch Kredite zu „schaffen“, höchstens (durch den Abzahlungskredit) zeitlich vorzuverlegen.

Kein Platz für neue Möbel

Daß auch dies nur beschränkt unter den heutigen Umständen möglich ist, haben Möbelindustrie, -handwerk und -handel bereits erfahren. Hier zeigt es sich, wie schwer es ist, den Nachholbedarf richtig abzuschätzen. Unstreitig ist ein beträchtlicher Bedarf gegeben. Vorläufig aber kommt er nicht zum Zuge: einmal, weil gerade bei denen, deren Bedarf dringend ist, die Kaufkraft fehlt, und zweitens, weil selbst diejenigen, die sich noch einige Möbel kaufen könnten, sie „nicht stellen können“, weil (für den vorhandenen Wohnraum) eben reichlich alte Möbel vorhanden sind – die sich obendrein noch sehr schlecht verkaufen. Eine sorgfältige Marktanalyse des Altgeschäfts, seit Jahr und Tag durchgeführt, hätte die Möbelhersteller wahrscheinlich vor der Überschätzung ihrer Absatzmöglichkeiten bewahren können: Das Geschäft wird wohl erst blühen, wenn mehr neuer Wohnraum „da“ ist.

Damit ist also das Stichwort gegeben: Wohnungen bauen! „Natürlich“ meinen die Leute, die mit jener Sentenz hausieren gehen – daß das, was produziert werden, könnte, auch zu finanzieren sein müßte–, „in erster Linie“ die Erzeugung solcher Dinge, an denen dringender Bedarf besteht: also Wohnungen. Aber erstens sind Wohnbauten nicht kurzfristig zu finanzieren, d. h. nicht durch Bankkredite (und also letztlich durch eine von der Notenbank zu verantwortende Kreditausweitung), weshalb in diesem Zusammenhang, wo es sich um die Einschaltung der Zentralbank in die „aktive Konjunkturpolitik“ handelt, vom Investitionskredit gar nicht zu reden ist. Und zweitens darf, man sich nicht wundern, wenn man eine Politik niedriger Mieten durchführt, also den Wohnungsbau (und die auf Mietsverträge angewiesene Wohnwirtschaft überhaupt) künstlich unrentabel macht, daß dann – ohne Verbilligungszuschüsse alias Subventionen – so gut wie nichts mehr gebaut werden kann.