Daß dort, wo nichts ist, der Kaiser sein Recht verloren hat, haben viele Sparer und Wertpapierbesitzer am eigenen Leibe verspüren, müssen. Sie haben sich mit einer wahren Engelsgeduld in ihr Schicksal ergeben, können aber auch, wie das debacle der Reichsbahnanleihe beweist, ihre Zähne zeigen. Noch trauriger ist es für die Beteiligten, wenn das für den Zinsen- und Tilgungsdienst erforderliche Geld zwar vorhanden ist, die Anleihegläubiger aber aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen trotzdem nichts erhalten.

Das trifft seit 1945 auf die Gemeinde-Umschuldungs-Anleihe zu, die im Jahre 1933 mit etwa 3,2 Mrd. RM ausgegeben worden ist, um die kurzfristigen Schulden der Gemeinden zu konsolidieren. Diese Anleihe, von der in den Westzonen schätzungsweise etwa 1,2 Mrd. RM umlaufen mögen, ist mit 4 v. H. zu verzinsen und mit 3 v. H. zu tilgen. Nun hört man mit Erstaunen, daß die Gemeinden und Gemeindeverbände die jährliche Annuität von 7 v. H. treu und brav an den Umschuldungsverband deutscher Gemeinden zahlen daß aber die eingehenden Beträge, die seit 1945 schon eine stattliche Höhe erreicht haben dürften, irgendwo auf die hohe Kante gelegt und den Anleihebesitzern vorenthalten werden.

Die Gemeinden haben kein Interesse daran, unverschuldet als notleidend zu gelten, ganz abgesehen von den vordringlichen Rücksichten, die heute auf die Pflege des Kapitalmarktes genommen werden müssen. Es ist darum erfreulich, daß sich der Deutsche Städtetag wegen dieses Falles mit der Verwaltung für Finanzen in Verbindung gesetzt hat. Auch scheint es an der Zeit Zu sein, daß sich die sonst so rührigen Schutzvereinigungen für Wertpapierbesitz mit diesem Thema befassen. gt