In dieser Zeit standen der NKWD vermutlich nicht genug „qualifizierte Arbeiter“ zur Verfügung, darum war die „Produktion“ nicht immer ganz einwandfrei, und manche Protokolle enthielten einen völligen Unsinn, was aber die Standardurteile von 5 bis 10 Jahren Konzentrationslager nicht beeinflußte.

Auf diese Art werden in der UdSSR massenhaft Spione und andere politische Verbrecher fabriziert. Die Bearbeitung der Verhafteten wurde nach einer einheitlichen Methode durchgeführt. Jeder einzelne hatte jedoch seinen mehr oder minder originellen „Roman“, je nach seiner Spezialität, seinem Arbeitsplatz, seiner Nationalität und so weiter; in der Hauptsache hing jedoch die Buntheit des Romans von/der Erfindungsgabe des betreffenden NKWD-Untersuchungsrichters ab.

In der Folge k^m das Leben in unserer Zelle in einen ruhigen Lauf. Aber am 8. Mai 1938 wurde die Monotonie unterbrochen. Ich wurde von neuem zur Vernehmung gerufen. Natürlich befürchtete ich, daß mein Quälgeist, Kasjukoff, inzwischen den ganzen Unsinn meines Geständnisses erfaßt habe und mit Folterungen zur Erpressung neuer Geständnisse beginnen würde.

In dem Kellerraum erwartete mich tatsächlich Kasjukoff.

„Nun, Minischki, wie fühlen Sie sich?“ fragte er und bot mir sogar einen Sitzplatz an. Die ursprüngliche Feindseligkeit seiner Rede war verschwunden.

„Ich wollte noch einige Fragen an Sie stellen“, fuhr er fort und begann ein vollkommen neues Protokoll zusammenzustellen. „Bestätigen Sie die von Ihnen gemachten Aussagen? Sie werden sich entsinnen können, daß Sie zugegeben hatten, Mitglied einer antisowjetisch-trotzkistischen Spionageorganisation innerhalb der bulgarischen Sektion der Komintern gewesen zu sein. Antworten Sie!“

„Falls Sie durchaus die Wahrheit wissen wollen, so ist es ganz selbstverständlich, daß ich meine Aussagen von damals keineswegs bestätigen kann.“