In den elf westdeutschen Ländern fanden Wahlen zum ersten Bundestag der deutschen Bundesrepublik statt. Die Wahlbeteiligung betrug 78,5 v. H. Die CDU/CSU erhielt über 7 Millionen Stimmen und 139 Sitze vor der SPD mit beinahe 7 Millionen Stimmen und 131 Sitzen. – 52 Sitze erreichte die FDP, je 17 die DP und die BP, 15 die KPD, 12 die WAV, 10 das Zentrum, 5 die DRP und 1 die SSW. 3 Sitze werden von unabhängigen Parteilosen eingenommen werden. Berlins Stadtverordnetenversammlung wählte 8 Vertreter mit beratender Stimme für den Bundestag.

Dr. Adenauer (CDU) sagte, das Ergebnis der Wahlen bedeute eine klare Absage an den Sozialismus. Er befürworte die baldige Bildung einer Regierung auf breiter Grundlage

Prof. Heuß (FDP) meinte in einem Interview, daß „keine grundsätzlichen Gegensätze zwischen der FDP und CDU/CSU bestehen, die die Bildung einer Koalitionsregierung der beiden Parteien verhindern könnten.“

Der SPD-Parteivorstand stellte fest, daß es der SPD nicht gelungen sei, von der außerordentlichen Erhöhung der Wahlbeteiligung den gebührenden Anteil zu erringen.

Dr. Schumacher (SPD) erklärte über das Zustandekommen des Wahlergebnisses unter anderem „Das Ausland muß wissen, daß es dazu beigetragen hat, die deutsche Demokratie zu demontieren“, und: „Ich muß darauf hinweisen, daß speziell die katholische Kirche ihre Macht in einem Umfange, vor allem gegen die Frauen mißbraucht hat, der nicht tragbar ist für ein geordnetes demokratisches Staatswesen.“

In der Auslandspresse nahmen die deutschen Wahlergebnisse breiten Raum ein. Die meisten Blätter sahen in der hohen Wahlbeteiligung ein günstiges Zeichen; viele befürchteten Nachwirkungen der „nationalistischen Wahldemagogie“.

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