Abd el Massih, der in der Verborgenheit lebende Führer der syrischen Volkspartei, ist seines Schwurs enthoben, den Diktator Husni Zaim wegen Verrats an Saadeh, dem Gründer dieser Partei, zu ermorden. Am 14. August wurden Zaim und sein Ministerpräsident in Damaskus von revoltierenden Offizieren der Armee verhaftet und nach kurzer Verhandlung zum Tode verurteilt und erschossen. Husni Zaun hat Saadeh nur um Monatsfrist überlebt.

Zaim, dessen Planung vermutlich auf ein Groß-Syrien abzielte, machte sich die gleichgerichteten Bestrebungen und die Organisation der Syrischen Volkspartei, die im Libanon unter der Bezeichnung „National-Soziale Partei“ arbeitete, zunutze. Seine Absicht war es, gegen die von ihm als korrupt und unfähig bezeichnete Regierung des Libanon Unruhen anstiften zu lassen, um unter diesem Vorwand im Libanon einzumarschieren und bei der Wiederherstellung der Ordnung zu „helfen“. Die National-Soziale Partei bereitete sich also – aktiv unterstützt von der Syrischen Volkspartei – im geheimen zu einem Putsch vor. Die notwendigen Waffen stammten zum großen Teil aus Beständen der syrischen Gendarmerie, einige kamen aus Frankreich auf dem Weg über Latakia. Anfang Juli begannen die ersten Angriffe auf Polizeiposten im Libanon. Kurz danach tauchten zur Unterstützung der Aufständischen bewaffnete Gruppen der Syri-> schen Volkspartei im syrisch-libanesischen Grenzgebiet auf.

Daraufhin griff die libanesische Regierungzu und verhaftete die führenden Mitglieder der National-Sozialen Partei. Gleichzeitig unterrichtete sie die ägyptische Regierung von dem Beabsichtigten Putsch Saadehs, und von der Rolle, die der syrische Staatspräsident Zaim dabei spielte. Die ägyptische Regierung gab sowohl in Beirut wie in Damaskus zu erkennen, daß sie den geplanten Putsch nicht billige und der libanesischen Regierung ihre Unterstützung nicht versagen werde. Diese eindeutige Stellungnahme Ägyptens, an dessen politischer Freundschaft Zaim sehr viel gelegen war, veranlaßte den Diktator, von Saadeh abzurücken und seine Umsturzpläne im Libanon aufzugeben.

Saadeh wurde nunmehr in aller Stille in Damaskus verhaftet, an die libanesische Grenze gebracht und dort dem Chef der libanesischen Polizei übergeben, der einst während der französischen Besatzungszeit mit Zaim in der gleichen Gefängniszelle gesessen hatte. Am folgenden Tage wurde der Führer der Syrischen Volkspartei von einem Militärgericht in Beirut zum Tode verurteilt, und am nächsten Morgen wurde er hingerichtet. Um diesen Verrat nicht in der Öffentlichkeit bekanntwerden zu lassen, wurde eine offizielle Erklärung veröffentlicht, wonach Saadeh beim Versuch die Grenze heimlich zu überschreiten auf libanesischem Gebiet verhaftet worden sei. Die Darstellung fand jedoch keinen Glauben. Zaim, der seine groß-syrischen Pläne vereitelt sah, begann nunmehr seine Verbindungen zu Ägypten auszubauen. – Jetzt hat es den Anschein, als sei. Zaim das Opfer seiner eigenen Intriguen geworden. E. K.