Das erste „Feuerwerk“, dem ich nach dem Kriege begegnete, löste bei mir eine nicht vorgesehene spontane Reaktion aus: Ich ging in Deckung! Man ist eben knallenden Feuerwerken gegenüber nicht mehr so jungfräulich wie ehedem! Später, als wir ein solches „Feuerwerk“ als Zuschauer betrachteten, sagte, während die Raketen in die Luft gingen, ein kleiner Junge zu mir: „Det is Betrug; da sitzt, ja gar keiner drin!“ Für seine technische Vorstellungswelt ist eben auch die Rakete bereits ein Fahrzeug.

Beide Reaktionen, das In-Deckung-Gehen und die Enttäuschung des Jungen, daß da „keiner drin sitzt“, umreißen die Vorbehalte, die der Mensch von heute den Feuerwerken gegenüber hat – ob er will oder nicht! Es ist nicht mehr die Zeit von 1912!

Die Rakete hat seither Karriere gemacht. Einst war sie wirklich weiter nichts als ein zischender, sich in die Nacht bohrender „Star“ inmitten eines Feuerwerks. Heute aber liest man von Raketen, die demnächst mit Besatzung zum Monde gesteuert werden sollen. Von den diversen Raketen der Vernichtung, die der Kriegsgott Mars in seiner Truhe verborgen hält, ganz zu schweigen.

Das Feuerwerk ist eine „gebändigte“ Explosion, auf bunte Leuchteffekte dressiert. Doch ich kann mir nicht helfen, auch die schönsten Exemplare dieser Sorte erscheinen mir immer wie Jahrgang 1912.

Jüngst wurde die Lübecker Bucht von einem Feuerwerk überstrahlt, das das dortige Spielkasino an einem Galaabend bis herauf in die Nachbarschaft der Schäfchenwolken servierte. Es war dem Abend entsprechend ein Galafeuerwerk. Bunte Räder zelebrierten vor der Nacht ein feuriges Roulette.

Eins fiel mir dabei auf: Die Leute können nicht mehr so richtig erstaunt „aaah...“ sagen. Was war früher ein Feuerwerk ohne das laute Ah-Rufen der Zuschauer? Den Menschen von heute scheint das Staunen abhanden gekommen zu sein. So mancher von ihnen denkt wohl an andere „Explosionen“, die er sah. Und da hat er dann natürlich keine Neigung, sich in Ah-Rufen zu ergeben.

Von allen künstlichen Sternen, die Menschen jäh an den Himmel hängten, sind ihm jene in allzu näher Erinnerung, die grell und gespenstisch in der Luft hingen – und den Überlebenden in den Löchern anzeigten, daß wieder ein Luftangriff vorüber sei.

Man muß wohl um Verzeihung bitten, daß man „an so etwas“ denken muß angesichts eines so großartigen Galafeuerwerks! Nico