DIE ZEIT

Artenschutz: Elefanten haben Charakter

© Sanjay Kanojia/AFP/Getty Images

Bei dem nächtlichen Brand, dem kürzlich das Hauptzelt des Zirkus Belli in Heidelberg zum Opfer fiel, war der alte Elefant „Ceylon“ der Held der Nacht.

Die CDU hat das Wort

Die „Times“ schrieb unmittelbar vor der Wahl, den Besatzungsmächten sei ähnlich zumute wie einem Vater, der seinen achtzehnjährigen Sohn zum erstenmal mit Taschengeld und Hausschlüssel ausgehen lasse.

Europas erstes Parlament

Als Aristide Briand im Jahre 1929 den schläfrigen Völkerbund mit dem Vorschlag der „Vereinigten Staaten von Europa“ erschreckte, fand er so gut wie keine Gegenliebe.

Nicht peinlich, nur dumm

Otto Ernst Remer, von Hitlers Gnaden Generalmajor, hat im verflossenen Wahlkampf von sich reden gemacht. Es handelt sich bei ihm bekanntlich um jenen subalternen Major, der zwar vor dem 20.

Verfassungsjubel

Es ist das Dekor autoritär regierter Staaten, daß jede Neuigkeit mit rauschendem Jubel begrüßt wird. So jubelten die Ungarn – wohlverstanden: jene Ungarn, die das Privileg haben, im Parlament zu sitzen –, als sie ex officio vernahmen, es sollte nun eine neue Verfassung eingeführt werden.

"Westdeutschland hat Berlin verraten"

Der künftige amerikanische Hohe Kommissar für Deutschland, John J. McCloy, hat gelegentlich einer Pressekonferenz in Washington mitgeteilt, die Regierung der Vereinigten Staaten habe beschlossen, Westberlin in den Marshall-Plan einzubeziehen.

Der Bürgermeister von Lyon

Für 24 Stunden präsidierte er Europa. Es war „der größte Tag“ seines Lebens. Denn jener alte Mann, dessen gesprochenes Wort noch immer die Suggestivkraft der wenigen ganz großen Parlamentarier Europas besitzt (obwohl seine einst mächtige Partei, die Radikalsozialisten, zahlenmäßig fast zur Bedeutungslosigkeit zusammengeschrumpft ist) und den Freunde und Gegner den „lebenslänglichen Bürgermeister von Lyon“ nennen, ist ein Staatsmann von abendländischem Format; überzeugt von der Zukunft dest alten Kontinents; Edouard Herriot, letzter bürgerlicher Franzose und erster französischer Europäer zugleich.

DIE WOCHE

In den elf westdeutschen Ländern fanden Wahlen zum ersten Bundestag der deutschen Bundesrepublik statt. Die Wahlbeteiligung betrug 78,5 v.

Ende eines Abenteurers

Abd el Massih, der in der Verborgenheit lebende Führer der syrischen Volkspartei, ist seines Schwurs enthoben, den Diktator Husni Zaim wegen Verrats an Saadeh, dem Gründer dieser Partei, zu ermorden.

Krone ohne König

Die mehr als drei Monate währende belgische Regierungskrise hat ihren Abschluß gefunden: Finanzminister Gaston Eyskens, der Zum linken Flügel der Christlich-Sozialen gehört, hat ein Koalitionskabinett mit den Liberalen gebildet.

Starb Dimitroff zur rechten Zeit?

Die frühere kommunistische Reichstagsabgeordnete Ruth Fischer, die Schwester von Gerhard Eisler, die jetzt als sozialistische Schriftstellerin in den USA lebt, schreibt aus ihrer genauen persönlichen Kenntnis Sowjetrußlands über die Hintergründe und die Folgen von Dimitroffs Tod.

Truman-Doktrin für Ostasien

Kein Zweifel, das Schwergewicht des politischen Interesses in den USA hat sich von Europa nach Ostasien verlagert. Die Einrichtung einer neuen Abteilung zum Studium fernöstlicher Probleme im State Department und die Veröffentlichung des 1000 Seiten starken China-Weißbuches in Washington zeigen dies an, vor allem auch die außergewöhnliche Heftigkeit der öffentlichen Diskussion über die amerikanische Ostasienpolitik, die sich anschließend entwickelt hat.

Am-Stram-Gram

André Roussins Pariser Tanzkomödie will ein Aufruf sein, das Leben zu entlasten, es aufzulockern, seine Schwere und seine Schwierigkeiten spielerisch abzufangen.

Carl Orff am Scheidewege

Die Uraufführung des neuen Bühnenwerks von Carl Orff fand im Ausland statt. Das sind die Salzburger Festspiele in einem exklusiven Sinne auch in diesem Jahr.

Der Kommunismus in Südamerika

Ist Südamerika gegen den Kommunismus gefeit? Von der Beantwortung dieser Frage hängt für die Vereinigten Staaten mehr ab als die wirtschaftliche Zukunft allein.

Farben und Gesänge

Im Film-Festival in Locarno wollte man zu Deutschland freundlich sein, und hißte seine Farben. Stolz wehte die Flagge Schwarz-Weiß-Rot von einem Flaggenmast.

Hexenkessel Mazedonien

Die letzte russische Note an Tito, nach der die Sowjetregierung Jugoslawien unter seinem gegenwärtigen Regime nicht mehr als Freund und Verbündeten, sondern als Feind ansehen werde? bedeutet eine hochgradige Verschärfung der an sich schon bedenklichen Spannungen auf dem Balkan, obgleich sie in ihrem Wortlaut nicht auf die Pläne Bezug nimmt, die von allen Seiten in Richtung auf das mazedonische Krisenzentrum gesponnen werden.

Notizen

Eine Goethe-Woche, in deren Mittelpunkt ein "Europäisches Gespräch" unter der Leitung von Professor Dr. Geiler, dem Rektor der Universität Heidelberg, steht und an dem deutsche und ausländische Politiker, Gelehrte, Dichter und Schriftsteller teilnehmen werden, veranstaltet die Stadt Wetzlar vom 20.

Togliatti in Nöten

Das Dekret des Papstes, daß alle Katholiken, die überzeugte Kommunisten sind, exkommuniziert werden sollen, hat in den Ländern hinter dem Eisernen Vorhang lebhafte Reaktionen, bei den Regierungen hervorgerufen.

Unser Herr Vater

Unser Herr Vater" heißt das liebenswürdigheitere Buch des Amerikaners Clarence Day (erschienen bei Rowohlt, übersetzt von Hans Fallada), in dem der 1935 gestorbene Autor mit Spott und Liebe das temperamentvolle Leben in seinem Elternhaus beschreibt.

Ortega y Gasset: Spanier, Europäer und Philosoph

Zu solchen bald spontanen, bald überlegten Erläuterungen seiner Stellung zu den Zeitproblemen: als Spanier, als Europäer, als Logiker, Lehrer und Philosoph, ist Ortega durch die am eine Gestalt seines Formats unvermeidlich entstehende Legendenbildung wieder und wieder genötigt worden; besonders während der Gärungs- und Sturmzeiten der letzten fünfzehn Jahre hatte er außer den Angriffen seiner Gegner auch ständig Versuche abzuwehren, ihn zum Parteigänger dieser oder jener politischen Richtung zu stempeln.

Über den Humor

Dionysios, Tyrann von Syrakus, bat einst den Philoxenos um ein Urteil über seine Gedichte und schickte ihn, der sie herzlich schlecht gefunden hatte, in die Latomien, jene berühmten Steinbrüche, die heute wegen ihrer romantischen Schönheit gern von Fremden besucht werden, damals aber als Gefängnis dienten.

Utopie, Möglichkeit – Wirklichkeit?

Dem Recht, denken und aussprechen zu dürfen, daß zwei mal zwei vier ist und nicht drei oder fünf, daß Lüge Lüge und Wahrheit Wahrheit bleibt, auch wenn ein "staatspolitisches" oder ein parteipolitisches "Interesse" das Gegenteil verlangen, diesem Recht widmet George Orwell, der englische Essayist, Kritiker, Dichter und Denker, sein neues Buch "1984", 1948 geschrieben, bei Secker und Warburg, London, soeben erschienen.

Erinnerung an meine Puppen

Ich habe neulich Felizitas wiedergesehen. Es war eine traurige Begegnung, denn Felizitas war in einem entsetzlich ramponierten Zustand.

Auf die hohe Kante

Daß dort, wo nichts ist, der Kaiser sein Recht verloren hat, haben viele Sparer und Wertpapierbesitzer am eigenen Leibe verspüren, müssen.

„Cheap Money“ geht zu Ende

Der Zins ist seit langem „verdächtig“. Wer heute darauf verzichtet, sein Geld sofort auszugeben oder es zu verstecken, gilt als der Empfänger „arbeitslosen Einkommens“ und wird dafür bestraft: Zinseinkommen unterliegen hoher, oft höchster Besteuerung.

Endlich Soforthilfe

Nun kann es endlich losgehen mit der Soforthilfe. Mit einer Verspätung von rund neun Monaten hat jetzt das erste Lastenausgleichsgesetz unter dem neuen Namen „Gesetz zur Milderung dringender sozialer Notstände“ das Licht der Welt erblickt.

Geht’s denn nun nicht ohne Marken?

Jetzt, nach den Wahlen, erscheint uns der geeignete Zeitpunkt gekommen, um in einer weniger mit „Parolen“ belasteten Atmosphäre, in wiedergewonnener Unbefangenheit also, die Diskussion der Frage zu beginnen, ob die Restbewirtschaftung auf dem Lebensmittelgebiet als überflüssig beiseite gelegt werden kann.

Keine Messe-Inflation

Der kürzlich von den Spitzenverbänden der deutschen Wirtschaft gegründete "Ausstellungs- und Messeausschuß der Wirtschaft" sprach, sich anläßlich seiner konstituierenden Sitzung für eine Beschränkung der Ausstellungen und Messen auf eine maßvolle Zahl führender Veranstaltungen aus.

Kohle künftig frei...

Belgien hat im April das System der Kohlenzuteilung mit dem Erfolg beseitigt, daß nunmehr die Verbraucher ihre Bezugscheine nicht mehr voll ausnützen.

Holz knapp, teuer, kostbar

Tmsjer dendicher wird in allen vier Besafizuags- zonen Deutschlands klar, wie sehr sich schoa jetzt die cücksiAtslose Demoatage der deussehea Wälder rächt.

Wertpapierbereinigung läuft an

Über kein Gesetz ist wohl soviel beraten und über keine gesetzliche Regelung soviel geschrieben worden, wie über das Wertpapierbereinigungsgesetz, das, so auch die Länder der französischen Zone wollen, demnächst verkündet werden soll.

Zuviel Geld in der Schweiz

Aus Bern wird bekannt, daß die eidgenössischen Behörden beabsichtigen, nach langer Unterbrechung abermals Gold an Private abzugeben.

Türkischer Tabak

äs am 30. Juni abgelaufene Hande sabkommen zwischen den Westzonen und der Türkei hat die Erwartungen der türkischen Wirtschaftskreise nicht erfüllen können. Villeicht waren die Erwartungen aber auch zu hoch gespannt.

Wir müssen bauen

DieseForderung steht im Mittelpunkt der Deutschen Bau-Ausstellung Nürnberg 1949. Auf die vergangene Trümmerperiode läßt der Lebenswille der so nüchternen Stadt gewesener mittelalterlicher Romantik einen neuen Zeitabschnitt folgen.

Feuerwerk mit Vorbehalt

Das erste „Feuerwerk“, dem ich nach dem Kriege begegnete, löste bei mir eine nicht vorgesehene spontane Reaktion aus: Ich ging in Deckung! Man ist eben knallenden Feuerwerken gegenüber nicht mehr so jungfräulich wie ehedem! Später, als wir ein solches „Feuerwerk“ als Zuschauer betrachteten, sagte, während die Raketen in die Luft gingen, ein kleiner Junge zu mir: „Det is Betrug; da sitzt, ja gar keiner drin!“ Für seine technische Vorstellungswelt ist eben auch die Rakete bereits ein Fahrzeug.

Reisenotizen

Zwischen Korsoer (Dänemark) und Kiel soll eine Schiffahrtslinie eröffnet werden, vorausgesetzt, daß die Landesregierung von Schleswig-Holstein ihre Einwilligung gibt.

Sport hilft der Kunst

Dem klassischen Satz "mens sana in corpore sano" haben in Hamburg Sportler aller Sparten eine neue Deutung gegeben. Sie führten unter dem Motto "Sport hilft der Kunst" eine Wohltätigkeitsveranstaltung für notleidende Künstler durch.

Wo immer sich die passende Gelegenheit bot...

Seit eh und je stehen wir im Verruf, eine verschlafene Rheinsiedlung von Spießern zu sein. Man pflegt sich den Karlsruher als einen pensionierten Steuersekretär vorzustellen, der muffelnd in der Sonne sitzt und seinen Gartenkohl betrachtet, indes sein Eheweib Grütze kocht und traurige Lieder singt.

Was außerdem geschah

Immer die Deutschen. Aus einem UNO-Bericht über den Stand der Pornographie in der Welt geht hervor, daß von 55 befragten Staaten 33 tugendhaft antworteten: "Nichts zu melden".

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