Die mehr als drei Monate währende belgische Regierungskrise hat ihren Abschluß gefunden: Finanzminister Gaston Eyskens, der Zum linken Flügel der Christlich-Sozialen gehört, hat ein Koalitionskabinett mit den Liberalen gebildet. Die Sozialisten beteiligen sich nicht an der Regierung. Und die Ursache der ganzen Krise, die Rückkehr König Leopolds, scheint einer Lösung nicht wesentlich nähergerückt zu sein.

Die Sozialisten verlangten schon immer, daß eine Volksbefragung eine qualifizierte Mehrheit für die Rückkehr des Königs ergeben müsse, eine Bedingung, die Leopold nicht akzeptierte. Die Liberalen haben sich in einem dem König überreichten Memorandum auf einen ähnlichen Standpunkt gestellt und werden nun von der christlichsozialen Presse als Verräter an der Monarchie gebrandmarkt. Da die Christlich-Sozialen selber aber in den Wahlen nicht die erwartete Mehrheit erlangt haben, ist man von der Regelung der Königsfrage jetzt nach den Wahlen genau so weit entfernt wie vorher.

Es kommt hinzu, daß eine Volksbefragung erneut die Kluft zwischen Flamen und Wallonen auf der einen Ebene, zwischen Katholiken und laizistisch eingestellten Liberalen und Sozialisten auf der anderen wieder aufreißen würde, eine Entwicklung, mit der weder dem König, noch den Parteien, hoch dem Volke gedient wäre. Die Politiker sind deswegen anscheinend zu dem Schluß gekommen, daß angesichts der wirtschaftlichen und politischen Entscheidungen, die dem Land in nächster Zeit bevorstehen, die Bildung einer arbeitsfähigen Regierung wichtiger ist, als die Lösung des Königsproblems. Die schwankende Art, die Leopold den verschiedenen Einflüssen und Anregungen in letzter Zeit entgegengebracht hat, dürfte nicht geeignet sein, an dieser Sachlage etwas zu ändern. So wird man weiterhin von einer Königskrise in Permanenz sprechen müssen, beziehungsweise noch besser darüber schweigen. W.G.