Von unserem ltaltenisch’en Korrespondenten

F. G. Rom, im August

Das Dekret des Papstes, daß alle Katholiken, die überzeugte Kommunisten sind, exkommuniziert werden sollen, hat in den Ländern hinter dem Eisernen Vorhang lebhafte Reaktionen, bei den Regierungen hervorgerufen. Gesetze sind dort ergangen, nach denen Priester, die die Vorschriften des Dekrets ausführen, mit Gefängnis, ja mit dem Tode bedroht werden. Anders in Italien, wo die Regierung selbst hinter dem Dekret steht und die Kommunisten Einsicht genug besitzen, es nicht anzugreifen, sondern ihm auszuweichen, soweit sie können. Palmiro Togliatti, gefragt, was er von dem Bannstrahl halte, meinte, zu den Genossen gewendet, die ihn umgaben: "Wir dürfen diese neue Tatsache nicht dramatisieren. Seit langer Zeit sind wir Kommunisten exkommuniziert. Als Militanten der marxistischen Doktrin sind wir grundsätzlich antikatholisch, und ein großer Teil unserer Genossen wird dem religiösen Druck Widerstand leisten. Von den 400 000 Frauen, die eingeschriebene Mitglieder der Partei sind" – er zuckte mit den Schultern – "werden uns 4000 verlassen, und dann werden wir ein paar Wähler verlieren. Nach Mitteilungen aufmerksamer Beobachtet jedoch ist die Zahl der in Rom verkauften Kopien der Unità – des Zentralorgans der KPI – in den letzten Tagen um 10 v. H. gesunken, in verschiedenen Parteilokalen sollen sich zurückgegebene Mitgliedskarten angesammelt haben. Das sind die ersten sichtbaren Reaktionen auf das Dekret gewesen.

Doch so wie dieses Dekret selbst die Frucht langer Überlegungen war, so werden auch seine Auswirkungen nur auf lange Sicht deutlich werden. Die halb- und ganzanalphabetischen Alten, Dorfweiber und Kleinbauern Apuliens und der Toskana, die zuerst an den Dorfheiligen, dann an die Dorfhexe und zuallerletzt erst an Joseph Stalins Schnauzbart glauben, waren bisher überzeugt, daß diese drei Erscheinungen durchaus friedlich und rechtsam nebeneinander leben könnten, und es wird eine lange Zeit vergehen, bis die Priester auch dem letzten und analphabetischsten von Minen eingepaukt haben, daß sie nichts gemeinsam haben, zumindest nicht der erstere mit dem letzteren. Und erst wenn man ihnen das beigebracht hat und wenn sie dann weiterhin versuchen sollten, am Sonntagmorgen zur Messe und am Sonntagabend zur Zellenversammlung zu laufen, wird sie der Bannstrahl treffen. Exkommunizierte können nicht den Messen und Gottesdiensten beiwohnen, werden nicht kirchlich getraut, können nicht die Letzte Ölung empfangen, Taufpaten stehen und werden ohne priesterliche Weihe begraben. Von allen guten Katholiken müssen sie als Ehrlose behandelt und gemieden werden. Kein Zweifel, in einem Lande wie Italien, in dem das soziale Leben sehr stark religiösen Gesetzen, geschriebenen und überlieferten, untersteht, ist der Bannstrahl geeignet, die Kommunisten auf lange Sicht hin zu zermalmen.

Professor Concetto Marchesi, anerkannter Doktrinär der KPI, hat versucht, hier vorzubeugen. "Der Kommunismus hat keine Dogmen und ist im wesentlichen ein Programm ökonomisch-sozialer Reformen", so schrieb er. Er überlasse es deshalb jedem Mitglied, "auf eigene Weise die geistigen Probleme zu lösen... " Italiens Dorfheilige jedoch werden auch über Professor Marchesis trotzkistischen Opportunismus lächeln. Wie sie es bisher über Joseph Stalins Schnauzbart taten.