Es ist das Dekor autoritär regierter Staaten, daß jede Neuigkeit mit rauschendem Jubel begrüßt wird. So jubelten die Ungarn – wohlverstanden: jene Ungarn, die das Privileg haben, im Parlament zu sitzen –, als sie ex officio vernahmen, es sollte nun eine neue Verfassung eingeführt werden. Was das für eine Verfassung sein mag, ist ziemlich gleichgültig. Fest steht, daß die Ungarn seit dem Jahre 1867 eine Verfassung besaßen, welche die denkbar größte Garantie für jegliche Freiheit jedes ungarischen Staatsbürgers bedeutete. Erinnern wir uns doch an die eigene Vergangenheit! Hitler berief sich in seinen sogenannten Kampfjahren immer wieder darauf, er werde "legal" an die Macht kommen; das heißt: er übertölpelte die deutsche Demokratie mit "demokratischen" Mitteln. Als sein Coup gelungen war, erpreßte er das "Ermächtigungsgesetz". Ein Rudi, und die alte Verfassung war tot. – Wie seltsam (dürfen wir sagen: wie komisch?), daß die Usurpatoren meist die Angewohnheit haben, zu guter Letzt sich selbst "ehrlich zu machen!" Zu guter Letzt genieren sie sich nicht mehr: das ist ihr "Ehrlich-Werden". Haben sie bisher "demokratisch" regiert, so regieren sie fortan nicht nur nach ihrem eigenen Gusto, sondern nach ihrem speziellen Befehlsvokabular. Verfassung ist Nebensache. Dann ist es soweit: Die einen verfassen, die anderen jubeln. Zehn Minuten Jubel im ungarischen Parlament, Warum eigentlich? Sie haben eine freiheitliche Verfassung begraben, eine neue, unfreie, Angenommen. Aber welche kommunistische Regierung kümmert sich um den Sinn von Verfassungen? n.