DieseForderung steht im Mittelpunkt der Deutschen Bau-Ausstellung Nürnberg 1949. Auf die vergangene Trümmerperiode läßt der Lebenswille der so nüchternen Stadt gewesener mittelalterlicher Romantik einen neuen Zeitabschnitt folgen. Mit erstaunlichem Mut wählt sie als Hintergrund für die Offenbarung unserer Sorgen, Hoffnungen und Möglichkeiten die überflüssige, halbfertige Fassade der cäsarischen Kongreßhalle. In ihren Gängen bauen erfahrene Ausstellungshandwerker zur Zeit alle jene Flächen und Tafeln auf, die in wenigen Wochen von vielen Menschen aus ganz Deutschland betrachtet werden.

Was wird man dort im September an den Ufern des Dutzendteiches zu sehen bekommen? Eine offene Bilanz unserer unerträglichen Lage, die aus Trümmern, Flüchtlingselend, Wohnungsnot und Arbeitslosigkeit besteht. Fünf Millionen Wohnungen fehlen. Patentlösungen gibt es nicht. Darum müssen wir alle Möglichkeiten ausnutzen, die sich bieten. Deren gibt es ebenso viele, wie sich Fragen auftürmen vor den Schutthaufen, die einst jahrhundertelang gewachsene Städte waren. Jetzt muß schnell und mutig gearbeitet werden. Es werden auch alle Hemmnisse unfähiger Amtsstuben fallen müssen.

Auf der Bauausstellung in Nürnberg wird gebaut. Auch dort war es nicht leicht, bürokratische Hemmnisse zu beseitigen. Als endlich die Militärregierung das ehemalige Parteitaggelände freigegeben hatte, stellte sich heraus, daß ein Grundbuch-Verbot alter Zeiten darauf lag. Schließlich war auch dieses Nein aus dem (Dunkel der Vergangenheit beseitigt. Nebeneinander wachsen nun auf dieser Großbaustelle schon jetzt 200 Wohnungen und 71 Zimmer des Heims für berufstätige Frauen in die Höhe. Während der Ausstellungszeit vom 1. bis 18. September wird der Besucher, der mit einem der 16 Sonderzüge aus Westdeutschland eintrifft, die verschiedenen Bauweisen nebeneinander im Wettstreit betrachten können: Vom altägyptischen Ziegel bis zur Stahlskelettbauweise, vom Messerschmitt-Stil bis zum Schüttbetonhaus. Auf dieser Deutschen Bauausstellung Nürnberg 1949 wird wahrhaftig gebaut! H. Re.