Es ist der Fluch der bösen Tat: weicht die Marktwirtschaft an einem Punkt von ihrem Prinzip ab, so werden Behelfsmaßnahmen notwendig, die weder ihre Zwecke erreichen, noch mit dem Ganzen harmonieren: Wir haben eine Währung, deren Kurs nicht dem Preis entspricht, der sich im freien Markt ergeben würde. Unser Preisgefüge enthält starre Positionen, zu deren Revision man vor der Währungsumstellung nicht den Mut fand. Wir haben einen Außenhandels-Zahlungsverkehr zugunsten und zu Lasten Dritter. Drei Ursachen einer Erkrankung, an deren Symptomen man nun herumkuriert.

Importpreisausgleich und Subventionen

Die Weisung, die Lebensmittelimporte vom 1. Mai an nach Weltmarktpreisen zum 30-cents-Kurs abzurechnen, heißt Verteuerung von Getreide, Futtermitteln, Düngemitteln; Verbilligung (in geringem Umfang, auch bleibt die Spanne leicht beim Handel hängen) von Obst, Gemüse, Schmalz, Eiern. Der Wirtschaftsrat, der weder den Reallohn sinken, noch den Nominallohn steigen lassen konnte, beschloß, die Teuerung teils durch Abschöpfen der Verbilligung teils aus öffentlichen Mitteln auszugleichen. Es ist gefährlich, den Fuß auf die Leiter der Subventionen zu setzen. Die endgültige-Lösung – das Gesetz gilt für ein halbes Jahr – sollte den Ausgleich nicht über den Bundeshaushalt, sondern im Haushalt des Verbrauchers, nämlich durch entsprechende Steuervergünstigungen vornehmen.

Wie reguliert man das Importventil?

Ein überhöhter Kurs hemmt den Export und regt den Import an. Unter dem 30-cents-Kurs ist der Andrang zur Einfuhr so groß, daß oft (bis zu 1 v. H. oder 2 v. H. des Antragswertes!) repartiert werden muß. Wer aber Repartierung erwartet, erhöht vorsorglich den Antrag. Man hat das vor dem Wirtschaftsamt gelernt.

Ursprünglich sollte der Importeur beim Antrag 50 v. H. einzahlen. Später genügte die Bonitätserklärung einer Bank. Aber die Banken verfuhren großzügig und die Anträge schnellten empor. In den Fachstellen freute man sich: eine Bewirtschaftung schien unentbehrlich. Es wurde auch erwogen, eine Einzahlung von 100 v. H. anzuordnen. Doch die Bank Deutscher Länder wählte einen anderen Weg: ihre Mitteilung 166 vom 6. August fordert statt der Bonitätserklärung eine Bankgarantie. Die Banken werden entsprechende Deckung durch die Importeure vorsehen, Nur den zahlungskräftigsten. Importeuren wird eine beträchtliche Einzahlung erspart bleiben.

Der Erfolg bleibt abzuwarten. Zu einer befriedigenden Lösung aber kann man nicht kommen, solange man das Importventil nicht mit den Warenpreisen, nämlich mit der Währung, sondern mit der Liquidität zu regulieren versucht.