In Ekuador, wo nach neuesten Meldungen mehr als 6000 Menschenleben vernichtet wurden, ist die Stadt Ambato fast vollständig zerstört worden.

Ambato – ein Name, wie auf einer süßen Geige gespielt! Doch die Elemente achteten seine sanfte Melodie nicht... Vor zwanzig Jahren war ich in diesem Ambato. Die Bahn von der Küste vermochte nicht an einem Tag bis zur Hauptstadt Quito zu gelangen und machte in Riobamba über Nacht Rast, schon jenseits des Gebirgskammes der westlichen Cordillere, schon im Schatten des heiligsten Berges der Erde, des Chimborazzo, den sie in der nächsten Frühe um fuhr. In einem Tal zwischen zwei Andenketten, aus deren westlichem Zug der Chimborazzo sich vereinsamt erhebt – gleich einem Thron, von dem Gott aus einer Höhe von 6300 Meter seine Schöpfung beobachtet –, zog die Bahn auf Ambato zu.

Ich war nicht länger dort als dreißig Minuten, vielleicht vierzig, die der Zug im Bahnhof Aufenthalt machte, wie er es in jedem Bahnhof tat; aber wenige Orte in der Welt sind mir in so eindringlicher Erinerung geblieben wie Ambato. An jedem Bahnhof von Guayaquil an ist ein Jahrmarkt von indianischen Weibern, die Getränke und Eßwaren anbieten. Man kann Chicha haben, ungesäuertes Brot, Maiskuchen, aber auch im ganzen gebratene Schweine, doch in Ambato tat sich ein Garten Eden auf, ein musizierendes Feuerwerk von Farben und Formen, eine berauschende Orgie von Aromen und Düften: in den Körbchen, die die Indianerinnen zu den Fenstern der Wagen heraufreichten, dufteten und schillerten sämtliche Früchte der Erde, als habe hier der liebe Gott die Gesetzmäßigkeit der klimatischen Besonderheiten außer Geltung gesetzt ...

Hier, auf 1 Grad 15 südlicher Breite, reift neben der hochtropischen Apocachi, der Advokatenbirne, die europäische "Gute Luise", die Grenadilla neben der Erdbeere, die Mango neben der Pflaume, die Apfelsine neben der Kirsche, und keines gibt Obacht auf die Folge innerhalb der Jahreszeit. Selbst die Banane, die sonst nirgends Höhen über 2000 Meter verträgt, gedeiht hier, und in keinem Himmelsstrich schwillt die Ananas von stark aromatisiertem Zucker: sie ist wie von sahneweichem Honig und jubelt vor Saft.

Der Zug verließ das Städtchen und fuhr durch Gärten, die gegen den Fuß der Berge steigen. Der Berg war reiner Tuffstein. Ist Chemie, gebunden in der Höhe von 2500 Meter, die Erklärung des botanischen Rätsels? Nun haben sich die Berge über die Gärten und die Gärtner geworfen, und wir müssen uns beklommen fragen: Genügt es nicht, daß sich die Menschen im Krieg zerstören – ist Gott eifersüchtig auf ihre Vernichtungssucht?

Norbert Jacques