Der Vogelhahn singt und balzt vor seinem Weibchen um es zu erobern. Der Platzhirsch röhrt. Der männliche Schmetterling aber umwirbt die Falterfrau mit Parfüm. Er spricht die Geruchsnerven des Weibchens an. Die Forscher sagen, die aromatische Chemie ist im Spiel: Bei stärkerer Vergrößerung lassen sich im Mikroskop zwischen den bekannten Schuppenformen des Flügels unzählige feine, eigenartig geformte Schuppen entdecken. Zu jeder Schuppe gehört eine kleine Drüsenzelle. In dieser Zelle wird der Duftstoff hergestellt, gelangt durch die Schuppe auf die Oberfläche und verdunstet schnell. Bei dem lang andauernden Hochzeitsflug versucht das Weibchen des Perlmutterfalters oder des Kohlweißlings immer wieder vor ihrem Werber zu fliehen, der sie stürmisch umflattert. Dabei umhüllt er die Abweisende mit einer Wolke aromatischer Düfte. Immer stärker wird der Duft, immer länger wirkt er auf die weiblichen Riechnerven ein: Plötzlich wird ihre Reizschwelle, die zu jedem instinktbedingten Vorgang in der Tierwelt mit gesetzmäßiger Unfehlbarkeit gehört, überschritten. Sie gibt ihren Widerstand auf und ist zur Vereinigung bereit. Wäre diese Schwellengrenze nicht, die nur von einem voll leistungsfähigen Männchen der gleichen Art überschritten werden kann, so würden "abgewirtschaftete" Männchen die Fortpflanzung übernehmen, vielleicht auch Männchen anderer Arten zu Bastarden Anlaß geben – soweit in Ausnahmefällen eine Befruchtung verschiedener Arten möglich sein sollte. Auch dieses Parfüm der Schmetterlinge ist eines der Mittel der Natur, mit denen sie immer wieder denselben Zweck erreicht: Die Erhaltung der reinen Art.

R.B.