Von Michael Erdmann

Kapstadt, im August

Montag war Abreisetag von Johannesburg. Ich hatte Plätze im Blue Train belegt. Für alle Züge muß man im voraus belegen, und zwar namentlich. Auf dem Bahnsteig findet man dann einen Wegweiser, auf dem .steht, welches Abteil reserviert ist – generell immer für zwei Menschen ein Abteil. Unter dem Abteilfenster ist in einem kleinen Rahmen ein Kärtchen mit dem Namen angebracht. So weiß man sofort, wo jeder sitzt.

Was für ein Zug! Eine riesige Henschel-Lokomotive, dann 12 Wagen, dabei ein Küchenwagen, ein Eßsalon, ein Aussichtswagen mit Bar. Der Zug ist blau und grau gestrichen. Alle Einrichtungen blau, also blaue Teppiche, blaue Polster, blaues Clo, selbst blaue Bettwäsche. Die Bar stellt ein Museum aller denkbaren Flaschen von White Horst zu Cointreau dar. Der Eßsalon eine einzige kulinarische Extravaganz: Vorgerichte, Suppen, Fische, kalt und wann, Fleisch, Geflügel, Nachtisch, herrlichste Früchte, schließlich noch ein Eis, Schlagsahne. Ein Aufgebot von Dienern, für jeden Tisch praktisch einer und für jeden Waggon ein extra Steward. In den Abteilen fließend kaltes und ganz heißes Wasser, dazu Duschen und Bad.

Im Zuge trifft man natürlich immer interessante Menschen. Überhaupt ist es das alte Lied. Man muß diese up-to-date-Dinge benutzen, weil sie das Stelldichein der Regierenden sind. Man kann es sich einfach nicht leisten, in billige Hotels zu gehen, da man dort niemanden sieht. Von den angebotenen kulinarischen Genüssen kann man bestenfalls 20 v. H. zu sich nehmen, und map freut sich über jede Mahlzeit, die man auslassen kann. Schade ist nur, daß die Preise Standardpreise sind. Hotel mit oder ohne Verpflegung – es kostet stets das gleiche. Das Marine-Hotel zum Beispiel kostet 6,– $ pro Tag, was allerdings im Vergleich zu USA und Europa sehr billig ist. Das schließt early morning-tea, Mocca, Tee nachmittags und die phantastischsten Menus zum Frühstück, Lunch und Dinner ein, auch Trinkgelder. Wo kann man in Europa für 20 DM so leben?

Parlamentsdebatte

Zwei Senatoren hatten mich in Kapstadt autorisiert, mich auf sie zu beziehen, um einen Platz auf der Tribüne des Parlaments zu bekommen. Sämtliche Plätze im Sitzungssaal waren besetzt. Da saß Malan, neben ihm der Finanzminister Havenga, dann Jantzen, der Minister für Eingeborenenfragen, der Transportminister Sauer und die übrigen sieben Minister des Kabinetts, unter ihnen der von der United Party meistgehaßte Mann Dr. Donges, der Innenminister.