Wer außer ihm konnte das fertigbringen: mit beiden Beinen im Zeitungsbetrieb zu stehen und zugleich ein ebenso fruchtbar nobler Literat zu sein? Seine Persönlichkeit prägte alles, was er schrieb, und alle, die von ihm lernten. Niemand von den Vielen, denen er mit einem kurzen Blick unter den dichten Brauen Ratschläge gegeben hat, haben den Besuch, bei ihm vergessen. Sein kleines Zimmer war eine Oase im Ullstein-Haus, besonders in der Zeit, da dieser Verlag. zwangsweise „gebräunt“ war. Wer es betrat, wußte, daß er „exterritorial“ war. Paul Wiegler war ein Meister der Biographie, sein knapper Stil, der befremden konnte, kreiste den Stoff ein, bis er verdichtete Wirklichkeit wurde. Seine beinahe lexikonhafte „Geschichte der Weltliteratur“ ist eine hervorragende Studienquelle, sein sehnsüchtiger Prag-Roman „Haus an der Moldau“ eine verhaltene Liebeserklärung für jene Stadt, der sein Herz gehörte. 71 Jahre alt ist er in Berlin gestorben.

Peter Christian Baumann