Der Chefwissenschaftler der Farbenfabriken Bayer, Dr. Merten, und weitere Spezialisten des Werkes werden, nach den USA reisen. Eine Nachricht wie viele – oder mehr? Uns scheint sie von Bedeutung. Denn der Hintergrund ist einer-, der ersten Nachkriegsverträge der Westzonen mit den USA, der über die Interessen der beteiligten Firmen, Bayer-Leverkusen und Schenley Ind. Inc., hinausgeht: Für 15 Jahre sichern sich beide Firmen gegenseitig die Ergebnisse ihrer Forschung und die Weiterentwicklung der Laboratoriumsarbeit auf den sich ergänzenden Gebieten zu.

Praktisch heißt das: Bayer wird Penicillin und Streptomycin in Leverkusen nach den umfassenden Erfahrungen von Schenley, dem zweitgrößten Penicillinerzeuger Amerikas, herstellen. Umgekehrt wird Schenley mit den neuesten Ergebnissen aus dem Bereich der Pharmazeutik versorgt, z. B. dem von Bayer neu herausgebrachten Tuberkulosemittel Conteben (TB 1). Schenley errichtet ferner ein Laboratorium amerikanischen Ausmaßes mit Unterstützung von Bayer, auf daß gemeinsam den ungelösten medizinischen Problemen nachgeforscht werden kann.

Dieses Clearing, auf Initiative des Präsidenten der Schenley, Rosenstiel, kann geradezu als Modell angesprochen werden, uns aus der "splendid isolation zu lösen. R–t.