Kabarett-Gastspiel, in Hamburg

"Wo der Deutsche hingrübelt, da wächst kein Gras mehr." Das ist ein beschämend treffendes Wort, aber das Düsseldorfer "Kom(m)ödchen" hatte, als es im Hamburger Thalia-Theater gastierte, noch andere treffende Pointen: Ein Bett, "doppelschläfig", er und sie .... Das Telephon klingelt, er erwacht, hebt den Hörer ab, und nun zwei Sätze, vorgetragen mit englischem Akzent: "Sie wollen sprechen eine Frau Prohaska? Well ..." Und sachlich zur eben erwachenden "Dame" gewandt: "Bitte, heißen Sie Prohaska?" Eine andere Szene um Don Quichote, der gegen Windmühlen kämpft – diesmal gegen solche, die im neu-demokratischen Deutschland stehen –, war so von hintergründiger Politik-Satire erfüllt, daß man den Kom(m)ödchen-Leuten gratulieren muß: sie bilden gegenwärtig das beste deutsche Kabarett. Wir kamen, sahen und – sie siegten. Und wir verstanden plötzlich, warum bei heutigen Politikern das "Kom-(m)ödchen, das so verdammt angriffslustig ist, in einem schlechten Rufe steht. Aber auch ein schlechter Ruf verpflichtet! Den Pathos am Anfang des Programms, gestimmt auf einen Dialog zwischen der personifizierten Macht und dem intellektuellen Narren, diesen Pathos so breit anzuschlagen, das hätten diese heute im "Überbrettl" führenden Leute nicht nötig gehabt. (Leise stieg Langeweile auf.) Und in einer fabelhaft grotesk gespielten, aber ebenfalls zu ausgedehnt ten Schiller-Dramen-Parodie zu entgleisen – auch dies wäre keine kabarettistische Notwendigkeit gewesen: sie wollten (mit Recht) die Nationalisten treffen, aber sie bagatellisierten (zu Unrecht) beispielsweise die Forderungen, die unsere Nachbarn auf deutsches Land stellen. Nun, es ist ja so: Die kabarettistische Kunst, wenn sie echt und mutig ist, balanciert auf einem verteufelt schmälen Berggrat: rechts und links drohen Ungeheuer, rechts die Langeweile, links die Ungerechtigkeit (um nicht Taktlosigkeit zu sagen). Zürnen wir nicht, wenn Fehltritte passieren! Und nehmen wir die Lehre an, nicht so viel zu grübeln, daß kein Gras mehr wächst! Und sprechen wir, angesichts dieser Einschränkungen, unseren Dank betont deutlich aus: Es war ein großartiger Abend! Josef Marein

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"Nächte des Zorns" und "Die kleine Hütte" – Zwei französische Schauspiele von Armand Salacrou und André Roussin gelangten im "Theater am Schiffbauerdamm" und in der "Tribüne" in Berlin zur deutschen Uraufführung. Während es sich bei dem ersten Stück um ein Begebnis aus der französischen Widerstandsbewegung handelt, zeigt das zweite einen der beliebtesten französischen Komödienstoffe: die Ehe zu drin. In den Hauptrollen sah man hier Heli Finkenzeller, Ernst Waldow und Carl John.