London, im September

Vergiß nicht bei der Landung, daß dies England und nicht mehr Deutschland ist. Du brauchst der Hafenpolizei nicht zu versichern, daß dein Vater bereits eingeschriebenes Mitglied der SPD, ein entfernter Vetter im Konzentrationslager war, und du selbst stets ein "innerer Emigrant" gewesen bist. Man versteht auch so dein schlechtes Gewissen nicht.

Sei vorsichtig im Gebrauch der deutschen Sprache. Es verstehen mehr Engländer Deutsch als du denkst und sie selbst zugeben.

In Deutschland mag alles besser sein. In England ist es vernünftiger geregelt.

Betone nicht zu stark deine neuen, demokratischen Glaubenssätze. Es hat in England immerhin 300 Jahre gedauert, bis man die eigenen verstanden hat.

Du wirst die gefährlichen Tiefen des englischen Alltags nur dann vermeiden, wenn du die höfliche Phrase "I am sorry" möglichst oft anwendest, auch wenn man dir auf die Hühneraugen tritt, oder dir ein Kricketball ins Auge fliegt. Du ersparst dir damit weitere Argumente, selbst wenn du nicht ahnen solltest, daß sich hier eine wahrhaft christliche Haltung offenbart, aus der der Engländer die praktische Berechtigung zum Schutze der kleinen Nationen gezogen hat.

Die landläufigste Übersetzung von "bitte schön" ist ein knurriges Stillschweigen.