Das westdeutsche Gallup-Institut, die "Emnid" in Bielefeld, hat 3000 Personen aller Bevölkerungsschichten die Frage vorgelegt: "Betrachten Sie es als ein Unrecht gegenüber der Allgemeinheit, wenn Sie bewirtschaftete Lebensmittel zu überteuerten Preisen ohne Marken kaufen würden?"

Hier das Ergebnis in Anteilen: 57,4 v. H. sehen in der Beteiligung am Schwarzen Markt ein Unrecht gegenüber der Allgemeinheit. 28,8 v.H. sind der gegenteiligen Auffassung. 11,6 v. H. erklären, darüber hätten sie, ehrlich gesagt, noch nicht nachgedacht, und 2,2 v. H. schließlich beantworteten die Frage überhaupt nicht.

An der Spitze derjenigen, die Schwarzmarktkäufe nicht billigen, stehen die Rentner (74,5 v. H.), es folgen in weitem Abstand die Landarbeiter (64,7 v. H.) vor den freien Berufen (64,3 v. H.), dann die Beamten (60,5 v. H.) und die Angestellten (60,4 v. H.); noch weiter zurück liegen die Bauern (55,3 v. H.), die Selbständigen (54 v. H.) und am Schluß bezeichnenderweise die Arbeiter (48,7 v. H.).

Der überwiegende Prozentsatz der Befragten bekennt sich also zu einer strengen und verantwortungsbewußten Denkweise in diesem Punkt der Wirtschaftsmoral.

Jede Querschnittsbefragung hat nun bekanntlich ihre zwei Seiten. Im vorliegenden Fall scheint uns der Kern der Dinge durch die Analyse der Antworten noch nicht getroffen zu sein. Eine Wertung der Aufschlüsselung nach sozialen Schichten bringt offenbar keine Klärung. Der Kern dürfte der sein: Die Strenge der Beurteilung richtet sich nicht nur "zum Teil" – wie "Emnid" annimmt –, sondern wesentlich und hauptsächlich danach, wieweit jemand die Mittel hat, also in der Lage ist, am Schwarzen Markt teilzunehmen oder wieweit jemand es gar nicht nötig hat. Alles andere ist – von den regelbestätigenden Ausnahmen kompromißloser Überzeugung abgesehen – die sattsam bekannte Mischung aus Selbstbetrug (oder Heuchelei) und mißgünstig-moralisierender falscher Entrüstung.

oka