Der Traum von einer großen nationalen Rechten geistert wieder einmal durch die Geschäftszimmer der kleinen Rechtsparteien. Verschiedene Kreisverbände der Deutschen Rechtspartei und der Deutschen Konservativen Partei haben sich mancherwärts mit der Deutschen Partei fusioniert, anderenorts mit der Nationaldemokratischen Partei. Kurz zuvor waren allerdings 30 führende Mitglieder aus der Deutschen Partei ausgetreten, weil die Strömungen in dieser Partei mit Konservatismus nichts mehr zu tun hätten, vielmehr immer deutlicher den Einfluß der Strasser-Bewegung verrieten. Über die Frage, was eigentlich "konservativ" ist, besteht also offenbar keine Einigung. Es ist aber wohl auch schwer, sich darüber einig zu werden, denn es gibt heute ja verhältnismäßig wenig Ideen, die man gern für morgen konservieren möchte – am allerwenigsten sollten dazu die typisch gestrigen von Otto Strasser gehören.

Aber in Deutschland, dem Heimatland der Steckenpferde, Mythenprediger, Wunderdoktoren und "Volksdemagogen" gibt es längst wieder einen "Bund Deutscher Erneuerung", der Otto Strasser als seinen Präsidenten verehrt und inzwischen hat sich dieser Tage in Düsseldorf eine Gesellschaft der Freunde Otto Strassers konstituiert. Sie alle wollen nicht eher ruhen, bis es ihnen gelungen ist, den alten Kämpen heim ins Reich zu holen. Und vom Reich ist viel die Rede in seinen Rundbriefen, die er über den Ozean schickt. Da findet sich das ganze großdeutsche, völkisch-bündische Gedankengut mehr oder weniger unversehrt wieder an, die Lehre vom antikapitalistischen, nationalen Machtstaat und der antiparlamentarischen Sammelbewegung. Da ist die Rede von der "unwürdigen alliierten Militärdiktatur" und von "den deutschen Quislingspolitikern". Merkwürdig, daß man zur Pflege dieser Ladenhüter den "Bund Deutscher Erneuerung" braucht. Dff.