Von unserem Berliner Korrespondenten

K. IV., Berlin, im September.

Zum erstenmal nach 1945 stehen in Berlin unter dem Funkturm Automobile zur Schau, und am ersten Tage kamen sogleich 30 000 Besucher, am sich selbst davon zu überzeugen, daß diese populärste Berliner Ausstellung der letzten Jahre wirklich an Friedensvorstellungen anzuknüpfen sucht. Natürlich handelt es sich nur um einen Vorläufer der für das nächste Jahr vorbereiteten großen internationalen Autoschau. Aber man erkennt doch die Energien, die Berlin nach den Blockademonaten trotz seiner weiterhin ungeklärten politischen und wirtschaftlichen Zukunft entfaltet.

Im Freigelände am Messedamm stehen auch viele der großen neuen Omnibusse, die in den Sommermonaten dank der Initiative und dem Wagemut der Berliner Unternehmer gebaut und für den Interzonenverkehr in Dienst gestellt wurden. Diese Omnibusverbindungen, die eben erst eine schnell funktionierende Brücke von Westdeutschland nach Berlin schlugen, sind schon wieder bedroht. Die ostzonale Eisenbahnverwaltung nämlich, der es bis jetzt angeblich nicht möglich war, Züge für den Interzonenverkehr zur Verfügung zu stellen und die in ihrer Zone auch die menschenunwürdigsten Fahrzeuge als "Personenzüge" laufen läßt, hat nunmehr den hohen Westmarkwert dieser Berlin-Westdeutschland-Brücke erkannt. Da täglich etwa 2000 Interzonenpässe in Berlin ausgegeben werden, wittert die Ostbahn eine nützliche Einnahmequelle, und so kann sie auf einmal nicht nur vier D-Zugpaare, sondern auch den "Fliegenden Hamburger" für den Interzonenverkehr einsetzen. Zugleich hat sie sich mit der westdeutschen Bahnverwaltung schnell darüber verständigt, daß Bus-Verbindungen auf Eisenbahnstrecken nach einem Gesetz von 1934 der Zustimmung der Eisenbahn bedürften, und will so post festum die Omnibusverbindungen kassieren. Daß damit einem wesentlichen Erwerbszweig Westberlins (mit erheblichen Neu-Investitionen von Kapital) eine ernste Krise droht, ist offensichtlich.

Mit solchen wirtschaftlichen Infiltrationen entschädigt sich die "Deutsche Wirtschaftskommission" der Sowjetzone für ihre politische Ohnmacht, ohne daß der breiteren Öffentlichkeit diese Politik des Einsickerns voll bewußt wird. Die Öffentlichkeit merkt lediglich, daß die Berliner Arbeitslosigkeit von Woche zu Woche steigt und nun den Stand von etwa einer Viertel-Million Erwerbsloser erreicht hat. Pläne für eine produktive Erwerbslosenfürsorge werden begleitet von dem immer verzweifelter werdenden Appell an die westdeutschen Instanzen, das wirtschaftliche Problem Berlin (Auftragserteilung und Kreditzuteilung) als dringende politische Notwendigkeit endlich nicht nur zu begreifen, sondern ernsthaft anzufassen.