Mit unheimlicher Sicherheit steuert Stalin seine Außenpolitik im Fernen Osten. Als er in Yalta die Rückgabe "Mandschukuos" an Nationalchina als Selbstverständlichkeit bezeichnete und sich lediglich den Hafen Port Arthur und Vorrechte in Dairen und auf den mandschurischen Bahnen zuschreiben ließ, wußte er, was sich daraus machen lassen würde. Damals gaben ihm die Westmächte in Gestalt dieser Vorrechte den kleinen Finger. Jetzt hat er die ganze Hand genommen: die Mandschurei hat sich als selbständige Volksrepublik von China, dem roten China, gelöst und ist auf Moskau "gleichgeschaltet".

Stalin ist seinen Weg in der Mandschurei konsequent und in aller Offenheit gegangen, und trotzdem scheint die Welt erstaunt, daß er sein Ziel jetzt erreicht hat. Unter dem Vorwand, die von Japan aufgebauten Kriegsindustrien zu demontieren, festigte er eine – unter dem Schutz der russischen Truppen nicht immer ganz freiwillige – sowjetische Beteiligung an den wesentlichsten Industrien des Landes. Heute befinden sich 80 bis 90 v. H. der bedeutenden mandschurischen Schwerindustrie in den Händen russisch kontrollierter Gesellschaften. Im Juli dieses Jahres berichtete die russische Presse, daß in Moskau eine "Handelsdelegation der mandschurischen volksdemokratischen Behörden" eingetroffen sei, die von dem Parteisekretär der KP der Mandschurei, Gao Kang, geführt werde. Und nur hat ein von ihm berufener "Volkskongreß" die erste mandschurische Volksregierung gebildet.

Was sagt Mao Tse-Tung zu dieser Entwicklung? Man muß annehmen, daß er gar nichts dazu sagen kann, wenn er nicht überhaupt gezwungen worden ist ihr zuzustimmen. Denn sein ganzer Krieg in Mittelchina basiert auf Waffen und anderen Lieferungen aus der Mandschurei, dem einzigen wirklichen Industriezentrum Ostasiens. Damit wird das Spiel des alten Schachmatadors aus dem Kreml erst wirklich klar: Er hat nicht nur 60 Millionen als Satellitenvolk gewonnen, sondern er hält die gegenwärtige und zukünftige Kraftquelle des kommunistischen China in der Hand Er will bestimmen, wie groß oder wie klein die Macht Mao Tse-Tungs auf die Dauer sein darf. C. D.