Es ist der Zauber einer impressionistischen Atmosphäre zwischen Resignation und Glück, zwischen Melancholie und Lächeln, der das Publikum in dem französischen Film "Schweigen ist Gold" (im Esplanade-Theater, Hamburg), für dessen Buch und Regie René Clair verantwortlich zeichnet, gefangen hält. Was hilft’s, daß der Intellekt die Geschichte als ein wenig kitschig registriert, wenn das Herz vor so viel innerem Charme kapituliert. Diese hingetupfte Erzählung aus den Anfängen des Stummfilms, wo sich in brüchigen Ateliers der Verzicht eines älteren Mannes (Maurice Chevalier) und die wirkliche Liebe zweier junger Leute (Marcelle Derrien und François Prérier) abspielt, gehört, trotz dieses (wohl gewollten) Abgleitens ins Sentimentale zum Schönsten, was man aus der französischen Produktion bisher in Deutschland sah. Und welche Schauspieler: Maurice Chevalier oder die zierliche Marcelle Derrien! Sie vermögen mehr, als ihre Rolle meisterhaft zu spielen – sie vermögen sie zu leben.

Wenn man viel Geld hätte, überflüssiges Rohmaterial für Filme und – Humor, könnte man als Filmproduzent einen Film in Auftrag geben, der ein Musterbeispiel dafür wäre, wie man es nicht machen soll. Man könnte ein primitives Drehbuch voller, erlogener Gefühle schreiben, die man dann bis zu unerträglicher Länge ausspielen läßt. Man könnte die Hauptdarstellerin anweisen, in ihren Leistungen das Niveau einer unteren Schauspielklasse nicht zu überschreiten. Das ganze könnte man "Eine große Liebe" nennen. – Nun, dieser Film ist gedreht und in Berlin (Marmorhaus) und Hamburg (Waterloo-Theater) uraufgeführt worden. Hans Bertram opferte als Regisseur und Drehbuchautor seinen Namen auf dem Altar des Kitsches. Gisela Uhlen tat es ihm nach und achtete als Hauptdarstellerin peinlich darauf, auch die letzte Schwülstigkeit des Drehbuchs intensiv zur Geltung zu bringen. Elisabeth Flickenschild war auch dabei. Sowohl in Berlin als auch in Hamburg gab es freilich Zuschauer, die nicht so recht glauben konnten, daß es sich hier nur um einen zu weitgehenden Scherz handelte. Sie nahmen den Film ernst, schlugen Krach und verließen das Haus.

P. Hühnerfeld