Von Josef Marein

Ich kannte Hitlers Hund und suche nun einen amerikanischen Verbindungsoffizier, der sich dieses Materials annimmt. Ich würde gern ein Buch oder wenigstens einen Tatsachenbericht über Hitlers Hund schreiben. So wie eine von Hitlers Privatsekretärinnen mit Hilfe des früheren amerikanischen Verbindungsoffiziers der VII. Armee, Albert Zoller, ein Buch geschrieben hat. Das Buch heißt "Hitler privat", und der Droste-Verlag in Düsseldorf hat es herausgebracht. Mein Buch hieße "Hitlers Hund" ...

Es war ein deutscher Schäferhund, und die Leute sagten, Hitler, wenn er in Zorn geriet, hätte die Angewohnheit gehabt, ihn mit seiner historischen Hundepeitsche zu verprügeln. Der Hund schwieg sich darüber aus. Aber er hatte keine Striemen auf seinem Fell; das spricht wohl Bände! Ebensowenig hat Hitler, wie seine Sekretärin mit Zollers Hilfe aussagt, in den Teppich gebissen, was böse Zungen doch so gern behaupteten. Überhaupt muß dieser Hitler, wenn man seiner Privatsekretärin glauben darf, ein ganz netter Kerl gewesen sein. Seine Reden machte er stets selbst und ließ sich nichts von Goebbels einsagen. Auch war er sich nicht zu schade, mit seinen Geheimsekretärinnen das geheime Mittagsmahl einzunehmen und lange mit ihnen am Kamin zu sitzen. Zwar: "Die Begriffe Familie und Mutterliebe" – um einmal wörtlich eine Probe dessen zu geben, wie sehr sich die Sekretärin um Objektivität bemühte – "waren ihm völlig fremd". Aber dennoch schreibt die Sekretärin mit der Feder Zollers auf derselben Seite, als von den "endlosen Gesprächen am Kamin" die Rede ist, mit derselben Objektivität: "Ich spürte dann immer" (wenn nämlich Hitler auf seine Jugenderlebnisse zurückkam), "wie in ihm eine Saite des Glücks vibrierte, das er in seinem bescheidenen Elternhaus kennengelernt hatte." Wie wir Deutschen wissen, hat Hitler zwar die Massenmorde in den Konzentrationslagern befohlen, er hat zwar einen Krieg entfesselt, der – soweit wir uns recht erinnern – Millionen Deutschen Leben, Hab und Gut kostete und an dessen Ende ein zerstückeltes Deutschland am Boden lag, aber privat war Hitler ein "faszinierender Mensch". Man dürfe nicht glauben, schreibt die Sekretärin, daß dieser "biedere Autodidakt keine Feinheit, keine Subtilität besessen habe". So läßt denn ihr Erlebnisbericht an den Ausspruch jenes klugen ungarischen Generals über Bonaparte denken: "A propos, der Napoleon ..., ein herzensguter Mensch, aber – dumm". Die kluge Sekretärin freilich sagt aus, in den letzten Jahren sei Hitler wahnsinnig geworden. Denn plötzlich hörte man Zoten aus seinem erlauchten Mund, was seine Umgebung – all die Geheimsekretärinnen, Friseure, vegetarischen Kochassistenten, kurz all die Verfasser moderner Erlebnisberichte – weidlich entsetzte.

Was aber Hitlers Hund betrifft, so ist er, obwohl er in fast allen Berichten vorkommt, noch nicht gebührend geschildert worden. Hitler hatte ihn einem Adjutanten geschenkt; der verehrte ihn seiner Frau; diese ließ ihn einen Kinderwagen bewachen. Und wer am Roseneck in Berlin ein wenig bekannt war, der kannte auch ihn und sagte, wenn das stolze Tier neben dem Kinderwagen einherschritt: "Das ist Hitlers Hund." Er bewachte den Kinderwagen gut, und es leuchtete etwas wie Mutterliebe dabei aus seinen Augen, denn es war eine Hündin.

Einmal, als ich des Weges kam, blieb Hitlers Hund mit freundlichem Wedeln stehen, roch an meinem Knie und begab sich zu einem Straßenbaum, um zu ... Das war in den letzten Jahren; da muß auch er wahnsinnig gewesen sein.

Man weiß ja nachgerade, daß bedeutende Karrieren oft im Wahnsinn enden. Da fragt man sich unwillkürlich, ob Mr. Zoller, der sich zum "Verbindungsoffizier" zwischen Hitlers Sekretärin und den deutschen Lesern machte, am Anfang oder am Ende seiner Laufbahn steht...